Neues von Deep Purple: «Es gibt keinerlei Vorwarnung»
Autor: Philip Dethlefs, dpa
, Donnerstag, 02. Juli 2026
Nach über 60 Jahren Bandgeschichte mangelt es Deep Purple nicht an Energie. Sänger Ian Gillan und Schlagzeuger Ian Paice erzählen, woran das liegt. Gillan verrät, was ihn im Alter nervt.
Auf ihre alten Tage sind Deep Purple produktiver als viele ihrer Zeitgenossen. Ihr neues Studioalbum «Splat!» ist bereits das fünfte in neun Jahren. «Wir machen inzwischen wirklich gern Alben», erzählt Schlagzeuger Ian Paice (78) im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Die Zusammenarbeit mit Bob hat der Band eine große Last abgenommen, weil wir nicht mehr versuchen müssen, alles selbst zu machen.»
Gemeint ist Produzentenlegende Bob Ezrin. Mit dem 77-jährigen Kanadier, der Klassiker von Kiss, Alice Cooper und Pink Floyd produziert hat, arbeiten Deep Purple seit 2013 zusammen. Ezrin hat dabei sein unverändert gutes Gespür bewiesen. Das gilt auch für «Splat!».
Furioser Start wie vor über 50 Jahren
Auf «Splat!» legt die britische Band einen Turbostart hin. Die furiose Hardrock-Nummer «Arrogant Boy» eröffnet das Album explosionsartig. «Es gibt keinerlei Vorwarnung», sagt Paice zufrieden. «Bang! Es geht sofort los.» Unglaubliche 55 Jahre nach dem Kracher «Highway Star» legen Deep Purple mit ähnlicher Wucht los.
Der Song handelt laut Frontmann Ian Gillan (80) vom Populismus. «Zurzeit gibt es sehr viel aggressive Politik», erklärt der Sänger. «Ich mag weder linke noch rechte Politik, weil ich beides als einen Stillstand empfinde. Das Pendel schwingt ständig zwischen links und rechts hin und her, Regierungen kommen und gehen, aber grundsätzlich verändert sich wenig.»
In Vorbereitung auf das Album schrieb Cheflyriker Gillan im vergangenen Sommer Geschichten als Vorlagen für die Texte. «Natürlich kann man unmöglich alles in einen einzigen Song packen. Ich hätte also gut und gerne 20 verschiedene Songs mit dem Titel "Jessica's Bra" schreiben können, jeweils mit anderen Ereignissen und anderen Texten.»
Gillan wettert gegen die «Kontrollgesellschaft»
«Jessica's Bra» handelt tatsächlich von Jessicas Bar, nicht von ihrem BH. «Weil du fragst: Das ist ein Tippfehler auf einem Schild über der Bar», singt Gillan in dem Song, in dem er sich über das mokiert, was er als «Kontrollgesellschaft» empfindet. «Wir leben heute in einer Welt voller Regeln und Vorschriften. Man darf nichts mehr falsch machen. Alle sind schon verdächtig, bevor überhaupt was passiert.»
Mit viel Humor und Sarkasmus kommentiert der eloquente Frontmann die Gegenwart und wettert gegen das, was ihm heutzutage missfällt. Besonders unterhaltsam wird es, wenn sich der 80-Jährige in «Scriblin' Gib'rish» über nervige Auswirkungen des digitalen Wandels echauffiert - etwa über Sicherheitsabfragen im Internet («Bestätigen Sie, dass Sie ein Mensch sind»).