Bayerischer Filmpreis: Starke Storys und politische Appelle
Autor: Malin Wunderlich und Sabine Dobel, dpa
, Samstag, 24. Januar 2026
Berührende Geschichten, klare Botschaften: Der Bayerische Filmpreis würdigt Filme wie «In die Sonne schauen», «Amrum» und «Karla» – und setzt ein Zeichen für Vielfalt im deutschen Kino.
Kurzweilig, mit politischen Appellen und zwischendrin tief berührend: In einer gut zweistündigen Gala ist in München der Bayerische Filmpreis vergeben worden.
Als bester Film ausgezeichnet wurde «Amrum» von Regisseur Fatih Akin, der die Zeit um die Kapitulation Nazi-Deutschlands durch die Augen eines Zwölfjährigen auf der nordfriesischen Insel beschreibt. Als erfolgreichster Film wurde «Das Kanu des Manitu» von Michael «Bully» Herbig ausgezeichnet. Für das Drama «In die Sonne schauen» sind zwar die Chancen auf einen Oscar geplatzt, dafür gab es nun gleich zwei Bayerische Filmpreise für Regie und Bildgestaltung.
«Danke Mama»: Persönliches Bekenntnis prägt Preisverleihung
Auch zwei Preise bekam der Debüt-Film «Karla» der Drehbuchautorin Yvonne Görlach, die mit ihrer Rede für den wohl berührendsten Moment des Abends sorgte. «Karla» erzählt von dem gleichnamigen zwölfjährigen Mädchen, das vom Vater missbraucht wurde und sich im Alleingang an einen Richter wendet.
Als Görlach den Drehbuchpreis entgegennimmt, offenbart sie ein Detail, das manchen im Publikum zu Tränen rührt: Sie erzählt hier vom Schicksal ihrer eigenen Mutter. «Karla» sei ihr gewidmet und «ihrem Mut zu überleben». Ohne diesen Mut gäbe es das Drehbuch nicht, den Film nicht - «und mich gäbe es auch nicht. Danke Mama, ich liebe dich.»
Dennoch betont Görlach: «Karla ist ein symbolischer Mensch, der für so viele steht, die dasselbe Schicksal erlebt haben.» Nicht jedes Detail sei realitätsgetreu: «Ich sage immer, wir erzählen nicht die Wahrheit, wir erzählen die Wahrhaftigkeit.»
Starke Appelle an Politik und Gesellschaft
Rainer Bock, der für seine Darstellung des Richters in «Karla» ausgezeichnet wurde, wandte sich an Gesellschaft und Politik: Es gehe um ein gesamtgesellschaftliches Versäumnis. «Es ist an uns, hinzusehen, hinzuhören und uns einzumischen», sagte Bock. «Streicht keine offene Stelle in Jugendämtern und Jugendfürsorgeeinrichtungen.»
Einen Preis in der Kategorie Schauspiel holte auch Leonie Benesch für ihre Rolle als Krankenschwester in «Heldin». Benesch, an Corona erkrankt und deshalb nur per Video zugeschaltet, rief die Politik ebenfalls zum Handeln auf. Sie sei fünf Tage im Krankenhaus mitgelaufen, um zu sehen, wie Pflegekräfte arbeiten, wie sie unter Druck über Gänge hetzen.