Der tiefe Fall des Royal-Sohns: Høiby soll ins Gefängnis
Autor: Julia Wäschenbach, dpa
, Montag, 15. Juni 2026
Schock für Norwegens Royals: Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit soll für vier Jahre ins Gefängnis - auch wegen Vergewaltigungen. Für das Königshaus ein schwerer Schlag in einer dramatischen Zeit.
Es war der vorerst letzte Akt in einem monatelangen Schauspiel, wie Norwegen es selten erlebt hat. Das Gerichtsurteil wird um 8.30 Uhr verkündet. Vier Jahre Haft für Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Ein Mitglied der Königsfamilie, ein verurteilter Verbrecher. Nach norwegischem Recht sogar: Vergewaltiger. In zwei Fällen von Vergewaltigung hält das Gericht ihn für schuldig - da war er mit dem Finger in die Frauen eingedrungen. Vom schwersten Vorwurf, der Vergewaltigung mit Penetration mit dem Penis, spricht das Gericht ihn frei, genau wie von einem vierten Vergewaltigungsvorwurf. Verurteilt wird er in insgesamt 34 Anklagepunkten.
Wie Høiby auf das Urteil reagiert, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Denn er sitzt in dem Moment, der über seine Zukunft entscheidet, nicht in Saal 250 des Osloer Gerichts, in dem über viele Wochen gegen ihn verhandelt wurde. Die Entscheidung verfolgt er aus gesundheitlichen Gründen per Video aus dem Gefängnis, wie es heißt. Dort wird er nun lange bleiben, wenn es nach den Richtern geht. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Høibys Verteidiger kündigte nach einem Besuch im Gefängnis an, sein Mandant werde in Berufung gehen - gegen die Verurteilung für die beiden Vergewaltigungen sowie die wegen Missbrauchs in der Beziehung zu einer Ex-Freundin.
Ein Schock ist das Urteil aber schon jetzt, nicht nur für Høiby, sondern auch für das norwegische Königshaus. Der Hof kommentiert das Urteil gegen den Ziehsohn von Kronprinz Haakon auf Anfrage nicht. Es kommt zum schlechtesten Zeitpunkt. Denn Høibys Mutter Mette-Marit ist schwer lungenkrank, ihr Zustand hat sich zuletzt laut dem norwegischen Hof dramatisch verschlechtert. So sehr, dass sie jetzt auf die Warteliste für eine neue Lunge gekommen ist. Das Drama um ihren Sohn belastet sie zusätzlich.
Drama um Mette-Marit: Høiby will bei kranker Mutter sein
Um Mette-Marit kreist derzeit die komplette Familie. Erbprinzessin Ingrid Alexandra, die Tochter des Kronprinzenpaars, hat ihr Studium in Sydney unterbrochen und ist nach Hause zurückgekehrt. Kronprinz Haakon sagt Termine ab. Kurz nach dem Urteil am Montag beantragte Marius Borg Høiby laut norwegischen Meiden zum wiederholten Mal die Freilassung aus der U-Haft, um bei seiner kranken Mutter sein zu können. Sie nur einmal die Woche im Gefängnis sehen zu können, sei unerträglich, hatte er kürzlich gesagt. Denn jedes Mal könne das letzte sein. Erst vor knapp zwei Wochen hatte er ohne Erfolg versucht, deshalb freizukommen.
Die Richter hatten in zweiter Instanz damals wenig Mitleid mit ihm. Schließlich gehe es ihm nicht schlechter als anderen in seiner Situation. Außerdem sahen sie eine Wiederholungsgefahr: Bereits mehrfach hatte Høiby in der Vergangenheit gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen. Das hatte auch dazu geführt, dass er seit Beginn des Prozesses gegen ihn Anfang Februar in U-Haft sitzt.
Im Rausch ausgerastet, Möbel zerstört, Ex-Freundin geschlagen
Auf die Beziehung zu der Frau, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil, in dem sie gewohnt hat, «Frogner»-Frau nennen, hatten sich 20 der ursprünglich 40 Anklagepunkte bezogen. In fast allen dieser Punkte wurde Høiby nun verurteilt. Zugegeben hatte er, im Rausch ausgerastet zu sein, Möbel zerstört zu haben und der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Auch einige Verstöße gegen Kontaktverbote hatte er eingeräumt.
Die Vergewaltigungen hatte Marius Borg Høiby aber stets bestritten. Um vier Vorfälle mit vier Frauen ging es, fast alles One-Night-Stands, bei denen er zuvor einvernehmlichen Sex mit den Betroffenen hatte. Dann aber soll er sie laut Anklage sexuell missbraucht haben, während die Frauen schliefen, und dabei gefilmt haben.