Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück
Autor: dpa
, Mittwoch, 11. März 2026
Erst gab es Debatten über die Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung aber stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Auch nach einem neuen Vorwurf.
Nach heftigen Debatten um den Deutschen Buchhandlungspreis stellt sich die Bundesregierung hinter Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und weist Rücktrittsforderungen zurück. «Herr Weimer nimmt seine Aufgabe mit der vollen Unterstützung der Bundesregierung wahr», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin.
Der Linken-Politiker David Schliesing hatte wegen Weimers Vorgehen im Zusammenhang mit dem Preis erklärt: «Wer so in die Kunst- und Kulturfreiheit hineindirigiert und auch noch unehrlich agiert, ist als Kulturstaatsminister nicht tragbar. Alles andere als der sofortige Rücktritt Wolfram Weimers wäre ein weiterer Skandal.»
Der parteilose Staatsminister hatte drei linke Buchläden in Berlin, Bremen und Göttingen wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Nominiertenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen lassen. Die Auswahl hatte eine Jury getroffen. Weimer folgte nach eigenen Angaben in diesen drei Fällen der Empfehlung der Jury ausnahmsweise nicht.
Buchhandlungen sehen sich in E-Mail getäuscht
Die drei Buchläden klagen dagegen. Deren Anwälte erheben nun auch den Vorwurf, die Betreiber seien in der Absagemail getäuscht worden. Darin habe es geheißen, dass die Buchläden von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt worden seien. «Eine derartige Lüge wie in der Absage-E-Mail an die Buchhandlungen ist feige», teilte Anwalt Sven Adam mit. Man wolle jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde an das Kanzleramt prüfen.
Eine Sprecherin Weimers verwies dagegen darauf, es sei eine «standardisierte Absage» verschickt worden. «Die Mail ging an alle Buchhandlungen, die nicht ausgezeichnet werden sollten», teilte sie der Deutschen Presse-Agentur mit. «Aus Gründen des Geheimschutzes gab es in den betreffenden drei Sonderfällen keine andere Handhabe.»
Seit Tagen sorgt Weimers Entscheidung gegen die Preisvergabe an die drei linken Buchläden für Debatten. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels übt Kritik.
Weimer argumentierte, der mit Steuergeld finanzierte Preis dürfe nicht «an Feinde des Staates» gehen - so formulierte er es im Kulturausschuss des Bundestags. Nachdem es Protest gegen die Entscheidung gegeben hatte, ließ Weimer die auf der Leipziger Buchmesse geplante Verleihung absagen. Die ausgewählten Buchhandlungen würden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten.