Letztes Hosen-Album: Im Wechselbad der Gefühle
Autor: Frank Christiansen, dpa
, Dienstag, 02. Juni 2026
Vom Punk-Kracher bis zur Liebeserklärung: Das letzte Hosen-Album bittet ins Wechselbad der Gefühle - mit einem Bonus-Album als Wundertüte und einem Albumcover als Superlativ.
Hart, laut, schnell: Das neue Album der Toten Hosen fällt mit der Tür ins Haus: «Wir waren nie weg» heißt das erste Hosen-Stück und dürfte den Fans großen Spaß bereiten, zumal es darin heißt: «Wir gehen nie weg.» Am Freitag (29. Mai) erschien nach neun Jahren Pause das 16. Studioalbum der Toten Hosen in mittlerweile 44 Jahren Bandgeschichte. Es heißt «Trink aus! Wir müssen gehen» - und soll das letzte reguläre Album sein.
Das offiziell veröffentlichte Album startet mit einer Überraschung: Im Gegensatz zu den Exemplaren, die Journalisten vorab zur Besprechung bekamen, hat sich noch ein Stück dazu geschmuggelt, und zwar direkt als Intro auf Platz Eins: Es ist eine fast vier Minuten lange Hymne und Verneigung: Farin Urlaub von den Ärzten hat den alten Erzfeinden, die längst Freunde sind, ein Stück für die Ewigkeit gewidmet. Es heißt «Hier sind die Hosen» und geht als sich steigerndes Präludium direkt unter die Haut.
Als drittes Stück nach «Wir waren nie weg» ertönt «Die Show muss weitergehen», das Lied war bereits ausgekoppelt und vorab veröffentlicht. Spätestens hier dürfte es auf den Hosen-Fan so wirken, als wären die Berichte über das nahe Ende der Toten Hosen Fake News.
Doch dann werden die Hörer in ein Wechselbad der Gefühle getaucht. Es wird nachdenklich, traurig, melancholisch. Liebeserklärungen in Songform gehen raus an Campinos Sohn Lenn («Glück»), an Menschen mit Zivilcourage («Kein Blatt zwischen uns») und an Düsseldorf, die Heimatstadt der Punkrocker («Du hast keinen Dom, keinen Pulsschlag aus Stahl...»).
Es klingt nach Abschied
Es geht ums Sterben («Augen zu») und um einen Heiratsantrag («Ich will»). Mal privat, mal politisch: Ein Gitarren-Stakkato leitet «Schlechte Nachbarn» ein, ein Stück im typischen Hosen-Stil. Das und mehrere weitere Stücke beschäftigen sich mit dem Rechtsruck der Gesellschaft. Wenn es dann im 16. und letzten Lied heißt: «Trink aus! Wir müssen gehen, waren eh' schon viel zu lange unterwegs» klingt das doch stark nach Abschied.
Dass die Hosen sich noch einmal ins Zeug gelegt haben, merkt man nicht nur an den - mit Unterbrechungen - zwei Jahren, die sie für das Album im Studio verbracht haben, sondern sieht es auch dem Album-Cover an: Foto-Kunststar Andreas Gursky hat sein bekanntestes Werk, Rhein II, die zeitweise teuerste Fotografie der Welt, noch einmal aufgenommen. Diesmal steht ein scheinbar reparaturbedürftiger Opel samt Band wie gestrandet am Rheinufer - womit sich der Kreis zum ersten Album-Cover «Opel Gang» von 1983 schließt.
In einer Dokumentation der ARD wird deutlich, dass die Entscheidung, das letzte Album vorzulegen, intern durchaus umstritten war. Aber Sänger Campino (63) sagt im dpa-Interview deutlich: «Dass man sich noch mal auf ein ganzes Album einlässt, das wird auf keinen Fall passieren. Bei aller Wehmut, die wir da selbst empfinden: Das Gefühl, dass es so richtig ist, überwiegt bei Weitem.»