Kritik nimmt zu: Kanye West verschiebt Marseille-Auftritt
Autor: dpa
, Mittwoch, 15. April 2026
An den geplanten Auftritten von Kanye West in Europa gibt es teils heftige Kritik. In Großbritannien darf der Rapper nicht einreisen, seine Marseille-Show verschiebt er. Drohen ihm weitere Absagen?
Der Druck auf US-Rapper Kanye West in Europa wächst: Nach dem Einreiseverbot durch die britische Regierung ist West nun den französischen Behörden zuvorgekommen und hat seinen geplanten Auftritt in Marseille verschoben. Zuletzt war bekanntgeworden, dass Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez entschlossen sei, das Konzert zu verbieten.
«Nach reiflicher Überlegung und Abwägung habe ich aus eigener Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben», schrieb der 48 Jahre alte Musiker auf der Plattform X.
Antisemitische Äußerungen sind Straftat in Frankreich
Kanye West, der inzwischen unter dem Namen Ye auftritt, sollte am 11. Juni im Velodrome in Marseille auftreten. Aus dem Umfeld des französischen Innenministers hatte es geheißen, dass die zuständigen Stellen sich über ein mögliches Konzertverbot beugten. Grund dafür seien antisemitische Aussagen Wests. Diese seien keinesfalls bloß eine Meinung, sondern in Frankreich eine Straftat.
Bereits der Bürgermeister von Frankreichs zweitgrößter Stadt Benoît Payan hatte sich gegen den Auftritt ausgesprochen: «Ich weigere mich, dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und hemmungslosen Nazismus fördern.» West sei im Marseiller Velodrome nicht willkommen. West war in der Vergangenheit immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Offiziell hat der Musiker sein Konzert in Marseille nur verschoben und nicht abgesagt. Die französischen Behörden warten daher nun erst einmal ab.
Keine Auftritte in London
Noch entschlossener handelte zuletzt die britische Regierung: Sie hatten dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert. Eigentlich sollte Ye in diesem Sommer beim Wireless Festival im Londoner Finsbury Park auftreten. Die Ankündigung sorgte im Vereinigten Königreich, das mit antisemitischen Straftaten zu kämpfen hat, für Kritik und Entrüstung. Schließlich machte die britische Regierung dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und verweigerte West die Einreise. Das Festival wurde daraufhin komplett abgesagt.
Kanye Omari West zählt zu den einflussreichsten und zugleich polarisierendsten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 hatte er ein Lied mit dem Titel «Heil Hitler» veröffentlicht. Anfang des Jahres bat er schließlich in Form einer ganzseitigen Anzeige im «Wall Street Journal» um Entschuldigung. «Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit», schrieb der Ex-Mann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
Auf seine Ankündigung, den Marseille-Aufritt zu verschieben, folgte nun eine weitere Entschuldigung des Rappers. «Ich weiß, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten», heißt es in einem X-Beitrag. «Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was mir zuzurechnen ist, aber ich möchte meine Fans nicht mit hineinziehen. Meine Fans bedeuten mir alles.»