Karambolage an der Kinokasse: Darum war "Furiosa: A Mad Max Saga" ein Riesenflop
Autor: Wilhelm Flemmer
, Freitag, 10. Juli 2026
Anders als "Mad Max: Fury Road" scheiterte "Furiosa: A Mad Max Saga" an den Kinokassen krachend. Warum eigentlich, da doch viele Kritiker begeistert waren von dem dystopische Action-Spektakel?
Es war ein Dämpfer für alle, die in an "Furiosa: A Mad Max Saga" mitgewirkt hatten. Der fünfte Beitrag zur "Mad Max"-Reihe hatte inhaltlich und erzählerisch geboten, was erwartet worden war: rasante Action vor dem Hintergrund einer zugrunde gerichteten Welt, die in atemraubenden Verfolgungsjagden ihre Höhepunkte erreichen. Und auch das war bewährt: leidgeprüfte, gebrochene Helden auf der einen Seite, die gegen moralisch verkommene Menschenbestien auf der anderen um das letzte Fünkchen Gute kämpfen. Die Kämpfe sind grausam, das Jagen und Gejagdwerden halsbrecherisch.
Doch dem Film selbst ging im Rennen um die Zuschauergunst schnell die Puste aus. Bemerkenswerterweise, denn die Reihe war Erfolge gewöhnt, der Vorgänger, "Mad Max: Fury Road", mit dem George Miller den "Mad Max"-Riesenvehikel 2015 in eine neue Richtung gelenkt hatte, spielte weltweit mehr als 380 Millionen US-Dollar ein, "Furiosa" kam nur knapp 175 Millionen - bei einem Budget von 170 Millionen, wohlgemerkt.
Die Kritiker haben den Flop nicht verschuldet, die zeigten sich mehrheitlich begeistert von dem Film. Man habe es mit "grandios gefilmten Verfolgungsjagden" zu tun, urteilte der "Film-Dienst" über die "sehenswerte" Actiondystopie. Der Epd-Film hielt "Furiosa" für "furios", hier sei "Kino physisch" geworden, und die "atemlose Verfolgungsjagd in der Wüste" hätte auch ein David Lean nicht besser inszeniert.
Beeindruckt zeigte man sich auch von der "überwältigend überzeugenden" ("The Guardian") Hauptfigur und ebenso von deren Darstellerin. Anna Taylor-Joy sei "phänomenal", urteilte "Empire", sie habe "die richtige Balance gefunden zwischen eiserner Entschlossenheit und gebrochener Menschlichkeit". Ihrer Leistung stand die von Chris Hemsworth in nichts nach, so auch bei ihm der Tenor. Der australische Schauspieler habe mit seiner Figur des Dementus' "einen der größten Leinwand-Schurken aller Zeiten" geschaffen, urteilte die "Washington Post".
"Furiosa": Flop trotz guter Kritiken
Nicht an der Kritik und auch nicht an der Umsetzung des Stoffs konnte der Misserfolg von "Furiosa" gelegen haben, wohl aber am Stoff selbst. Der Film stellt stärker noch als "Fury Road" die furiose, diesmal sogar Titel gebende Kriegerin in den Mittelpunkt der Erzählung. Das wird eine kalkulierte Entscheidung gewesen sein. Schon beim Vorgänger war Furiosa, dort noch von Charlize Theron gespielt, der geheime Star des Films, der die eigentliche, besser: die vermeintliche Hauptfigur, den wilden Max (Tom Hardy), schon mal in den Schatten stellte.
Die Zuschauer liebten diese getriebene, zu allem entschlossenen Frau und verlangten, mehr von ihr zu sehen. Dem kam Drehbuchautor und Regisseur Miller mit "Furiosa" nach, allerdings mit einem doch unerwarteten Erzählansatz. Er rollte Furiosas Geschichte in einem Prequel neu auf, statt sie in einer Fortsetzung weiterzuerzählen. Er entriss den Fans die faszinierende Figur, bevor sie sie richtig hatten kennenlernen können.
Schwerer noch als diese verpasste Chance wiegt der erzählerische Umgang mit einer anderen zentralen Figur, deren Name doch eigentlich die gesamte "Saga" ziert. Schon bei "Fury Road" empfanden viele - bei aller Begeisterung für den Film und dessen Heldin - den Fokus allzu stark auf Furiosa gerichtet. Neben ihr nahm sich Max Rockatansky, dieser einst so verlorene, willenlose, dafür umso schlagkräftigere und einzig von Rachedurst und Überlebensinstinkt geleitete Antiheld, geradezu zahnlos aus.