Diese Bond-Girls mussten sterben
Autor: Wilhelm Flemmer
, Mittwoch, 25. März 2026
Bond-Girls, das sind jene attraktiven Blondinen und Brünetten in den "James Bond"-Filmen, die dem Charme des Superagenten erliegen - oder umgekehrt. Für die amourösen Verwicklungen mit dem Feind aller Superschurken müssen die Girls einen teuren Preis zahlen. Nicht selten mit ihrem Leben.
Am Ende musste selbst James Bond dran glauben. In "Keine Zeit zu sterben" hatte der Superagent entgegen des Titels doch etwas Zeit übrig, um per heldenhafter Aufopferung das Zeitliche zu segnen. Das Tabu glaubten man damals offenbar brechen zu dürfen, da sich ohnehin der Abschied Daniel Craigs von der Titelrolle nahte. Sonst aber haben die Bond-Macher freie Wahl, jeder Chararkter ist vogelfrei, zum Abschuss freigegeben. Allen voran natürlich die sozio- und psychopathischen Ich-werde-die-Welt-vernichten-Schurken. Aber auch die Bond-Girls, von denen schon die eine oder andere einen effektvollen Tod starb.
Wie in Blattgold gehüllt
Besonders wirkungsvoll ist das Dahinscheiden von Bond-Girl Jill Masterson (Shirley Eaton) in "Goldfinger" (1964). Die Komplizin von Schurke Auric Goldfinger, seines Zeichens steinreicher englischer Geschäftsmann, extrem grausam und: denkwürdig gespielt von Gerd Fröbe, muss teuer dafür bezahlen, dass sie mit James Bond (Sean Connery) ins Bett ging. Die Liebeswiese sollte sie nicht mehr lebend verlassen. Derweil Bond bewusstlos ist, wird sie von denselben Handlangers Goldfingers mit Gold übergossen und also getötet, die den Agenten K.O. schlugen. Am Ende gab Jill, pardon für die pietätlose Wortwahl, eine glänzend-schöne Leiche ab.
Von der Leiche Helga Brandts (gespielt von der deutschen Schauspielerin Karin Dor) in "Man lebt nur zweimal" (1966) lässt sich das nicht gerade behaupten. Die Agentin der kriminellen Geheimorganisation S.P.E.C.T.R.E. (in der deutschen Fassung: Phantom) stirbt im fünften offiziellen "James Bond"-Film auf besonders grausame Weise. Nachdem sie den Auftrag von Oberbösewicht, S.P.E.C.T.R.E.-Leiter Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasance), nicht zu Ende bringen und James Bond (Sean Connery) also nicht töten konnte, landet sie qua Vergeltung für ihr Versagen in einem Piranha-Becken, wo sie von den Fischen binnen Sekunden aufgefressen wird.
Geradezu tragisch dagegen der Bond-Girl-Tod in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (1969). Tragisch deshalb, als Teresa "Tracy" di Vincenzo (Diana Rigg) stirbt, nachdem die größten Lebensgefahren längst ausgestanden waren - nachdem James Bond (ein einziges Mal gespielt von George Lazenby) also die finsteren Pläne Blofelds (Telly Savallas) durchkreuzt und zuletzt auch Tracy gerettet hatte. Und weil sie ums Leben kommt, nachdem sie Bond heiratete: Auf dem Weg in die Flitterwochen wird sie von Blofelds Schergin Irma Bunt erschossen. Was für eine Fallhöhe - tragisch, wie gesagt. Dass Tracy bis heute das einzige Bond-Girl ist, die der Agent ehelichte, dieses Verdienst konnten ihr ihre tückischen Mörder dennoch nicht nehmen.
Tod durch Fingerschnippen
Auf grausame Weise wird auch Corinne Dufour in "Moonraker - Streng geheim" (1979) aus dem Leben gerissen. Für das Hetzen wilder Tierbestien auf Menschen haben die Bond-Macher ein Faible. Hier kommt er ebenfalls zum Tragen. Dufour muss ihren Verrat gegenüber ihrem Arbeitgeber, dem millionenschweren Unternehmer Hugo Drax (Michael Lonsdale) teuer bezahlen. Das Zynische ihres Todes verdeutlicht die Banalität einer einzigen Geste. Ein Fingerschnippen Drax' genügt, schon stürzen sich bissige Hunde auf Corrine. Flucht vergeblich, im naheliegenden Wald findet das Leben der Hubschrauberpilotin ein jähes Ende.
Sonderlich loyal gegenüber ihrem Chef, dem Großindustriellen Max Zorin (Christopher Walken), ist auch die Handlangerin May Day (Grace Jones) in "Im Angesicht des Todes" (1985) nicht. Die Frau fürs Grobe - plausibel daher die Besetzung der Rolle mit der kantig-düsteren Pop-Größe - hat letztlich doch einen weichen, ja, sogar moralischen Kern. Sie wechselt, nach einem Verrat ihres Chefs Zorin, die Seiten und hilft am Ende James Bond. Der Gesinnungswandel ist konsequent bis hin zur radikalen Aufopferung - auch das ein beliebtes Motiv der Agenten-Reihe. May Day hilft Bond, eine Bombe aus einer Mine zu entfernen, mit dem eine verheerende Explosion ausgelöst werden soll. Und weil das nur gelingen kann, indem sie dabei stirbt, entscheidet sie sich für den Tod.
In "Die Welt ist nicht genug" (1999) bekommt es Bond (Pierce Brosnan) gleich mit zwei Girls zu tun. Mit Elektra King (Sophie Marceau, auffällig oft werden Bond-Girls von Französinnen gespielt), Tochter eines Industriemagnaten, und der Kernphysikerin Dr. Christmas Jones (Denise Richards), klug und schön wie die andere. Elektra spielt jedoch ein doppeltes Spiel mit Bond, sie steckt mit dem mit einer Atombombe hantierenden russischen Terroristen Viktor Zokas alias Renard (Robert Carlyle) unter einer Decke. So viel Durchtriebenheit bleibt nicht ungesühnt, am Ende stirbt Elektra durch die Hand des Superagenten. Die eine Liebesnacht, die sie miteinander verbracht hatten, war nicht genug.