Das waren die größten Berlinale-Skandale
Autor: Teleschau
, Mittwoch, 11. Februar 2026
Am 12. Februar startete die 76. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele Berlin - eine Veranstaltung, bei der in den letzten Jahrzehnten viele Stars und Filme für Aufsehen sorgten. Ob Provokationen, Pöbeleien oder Pannen: ein Blick auf die größten Berlinale-Skandale.
Am 12. Februar startet die 76. Ausgabe der Berlinale, die Filmwelt blickt einmal mehr nach Berlin. In der Vergangenheit war das Filmfestival oftmals auch ein Ort für handfeste Skandale. Ein Blick zurück zeigt: Was damals ein Aufreger war, wäre heute nicht einmal mehr die Erwähnung wert - oder doch?
Skandale? Eher Skandälchen
Bereits im zweiten Jahr hatten die Internationalen Filmfestspiele von Berlin ihren ersten Aufreger: Filmemacher Orson Welles stand aufgrund teurer Herzensprojekte kurz vor der Pleite. In Europa war der "Citizen Kane"-Regisseur (1941) dennoch ein gern gesehener Gast. 1952 hatte er "Othello", seinen damals neuesten Streich, fertiggestellt - und die Berlinale wollte sich mit dem Filmgenie schmücken. Doch die Ausschussmitglieder waren sich uneins. Denn: Welles äußerte sich zuvor schlecht über Nachkriegsdeutschland, es folgte die Ausladung. Als man den damals 36-Jährigen dann kurz vor Festspielbeginn doch haben wollte, zeigte er Berlin die kalte Schulter.
Mehr als nur die (kalte) Schulter zeigte hingegen Jayne Mansfied: Sie beeindruckte bei der Berlinale 1961 mit ihrem Dekolleté. Ein kalkulierter Skandal, galt sie seinerzeit doch ohnehin als freizügige Ikone. Als ihr bei einer Berlinale-Party auch noch das Kleid vor einer Schar anwesender Fotografen platzte, rief die Presse - teils pikiert, teils belustigt - die "Busen-Berlinale" aus.
Historischer Moment: Dieser Film führte zum Abbruch der Berlinale
1964 sorgte eine schwedische Produktion auf der Berlinale für Aufsehen: "491" sollte im Wettbewerb antreten, ein Drama um schwererziehbare Jugendliche. Sex-Szenen wurden darin sehr drastisch dargestellt, und dass aus Opfern oft Täter werden, nicht verschwiegen. Festivaldirektor Alfred Bauer zog den Film aus Angst vor Kritik zurück.
Ein anderer Film, in dem sexualisierte Gewalt zu sehen war, durfte hingegen gezeigt werden: 1970 lief "o.k." von Michael Verhoeven im Wettbewerb. Darin stellen vier Schauspieler Bairisch sprechend, doch als amerikanische Soldaten verkleidet, die Vergewaltigung eines vietnamesischen Mädchens während des dortigen Krieges dar. Das Mädchen wurde damals gespielt von Eva Mattes, die heute vor allem als "Tatort"-Kommissarin bekannt ist. Nach der ersten Aufführung protestierten Jurymitglieder, das Premieren-Kino Zoo-Palast wurde besetzt gehalten. Einige Filmemacher zogen ihre Beiträge zurück, sodass das Berlinale-Komitee sich gezwungen sah, die Filmfestspiele abzubrechen - das erste und einzige Mal in seiner langen Geschichte.
"Eine Beleidigung des vietnamesischen Volkes"?
Die Darstellung von Sex blieb ein Reizthema bei der Berlinale: 1976 konfiszierte die Staatsanwaltschaft den japanischen Beitrag "Im Reich der Sinne". Der Vorwurf: Pornografie. Das Festival besaß aber eine zweite Kopie des expliziten Films von Regisseur Nagisa Oshima - unter anderem ist eine menschliche Kastration zu sehen. Gezeigt wurde der Streifen dann halb öffentlich. Erst zwei Jahre später gab der Bundesgerichtshof "Im Reich der Sinne" frei.
1979 sorgte ein Film über den Vietnamkrieg beinahe zum Abbruch des Festivals. Denn die immer größere Ostblock-Delegation zog sowohl Filme als auch Jurymitglieder ab, da im selben Jahr "Die durch die Hölle gehen" außer Konkurrenz gezeigt wurde. Der Film mit Christopher Walken und Robert De Niro in den Hauptrollen beleidige das Volk Vietnams, hieß es von sowjetischer Seite. Auch die auf sieben Köpfe geschrumpfte Jury um Julie Christie diskutierte heiß über den Film. Dort war man mit der einseitigen Darstellung im später fünffach oscarprämierten Kriegsfilm ebenfalls nicht einverstanden. Erklärungen um Erklärungen wurden veröffentlicht - die Filmfestspiele gingen aber weiter.