Früher gab sie Fitness- und Ernährungstipps, heute klärt sie über Essstörungen auf. In einer ZDF-Doku gibt Influencerin Sophia Thiel Einblick in ihre inneren Kämpfe und ein Leben im permanenten Streben nach Perfektion.
Immer schöner, immer besser, immer weiter: Selbstoptimierung steht im 21. Jahrhundert hoch im Kurs. Nun befasst sich eine ZDF-Doku mit diesem gesellschaftlichen Phänomen, das schon so viele Menschen ins Unglück gestürzt hat. Mit dabei ist auch ein prominentes Gesicht: Sophia Thiel, Fitness-Influencerin und -bloggerin, erzählt von den dramatischen Folgen, die der permanente Wunsch nach Selbstverbesserung für sie hatte.
Thiel, die unter anderem mit ihrem Youtube-Kanal große Erfolge feiert, verschwand ganz plötzlich im Jahr 2019 von der Bildfläche. Zwei Jahre später meldete sie schließlich mit einem Buch und dem Geständnis einer Essstörung zurück.
Sophia Thiel: Essen diente der Kompensation
In der knapp 30-minütigen "37 Grad"-Dokumentation "Die Ich-Vermesser - Selbstoptimierung um jeden Preis?" (Dienstag, 19.4., 22.35 Uhr im ZDF) erzählt die 27-Jährige von ihrem Streben nach Perfektion und beschreibt, wie die versteckten Kekspackungen früher im Kinderzimmer immer häufiger zur Kompensation ihrer Emotionen diente. Und wie sie nie Nein sagen konnte und auf viel verzichtete auf ihrem Weg zur gefeierten Influencerin. Sie schildert all das präzise und selbstreflektierend - fast wie eine Maschine.
Mit ihrem Ehrgeiz, ihr Leben und sich selbst zu perfektionieren, ist die Fitness-Influencerin nicht allein. Dass Selbstoptimierung nicht immer auf ein "Mehr" von etwas sein muss, zeigt die Doku an Karina (31) und Philip (32) aus Braunschweig. Sie sind konsequent darin, ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen. Für das Paar bedeutet das ein Leben ohne viel Besitz. Karina hat ihren Job als leitende Angestellte gekündigt, ihre Eigentumswohnung verkauft, ernährt sich ausschließlich von Rohkost und will mit ihrem Freund künftig in einem Bulli leben, um den Fokus auf sich und die Natur zu lenken, wie beide sagen.
Die Kamera ist dabei, als Karina in ihrer verkauften Wohnung die letzten Habseligkeiten zusammenpackt - ein Dirndl ist auch dabei. «Mit der Einstellung, die ich jetzt habe, werde ich wahrscheinlich kein Dirndl mehr tragen», sagt sie mit einem Hauch Melancholie in der Stimme, während ihre besorgte Mutter, die zu Besuch ist, im Hintergrund seufzt und ein paar Tränen vergießt. Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von einem Leben in Zufriedenheit. Und manche finden sie unter anderem in einem Teller Zucchini-Nudeln mit kalter Mango-Avocado-Soße - so wie dieses Paar.
ZDF-Doku zeigt Lebensentwürfe der Selbstoptimierung
Andreas ist der vierte Kandidat, den der Film zum Thema Selbstoptimierung vorstellt. "Ich will der CEO meiner eigenen Gesundheit sein", sagt er von sich. Der 48-Jährige meint damit, das System Körper als eine Möglichkeit zu nutzen, um sich so gut zu fühlen wie möglich.
Um dieses Ziel zu erreichen, isst Andreas nur einmal am Tag, steigt am frühen Morgen in eine mit Eiswasser gefüllte Truhe und nimmt an seinem Körper viele Messungen vor. Denn nur anhand von Messungen kann er feststellen, ob eine Veränderung was bringt oder nicht, sagt der Coach und Biohacker. So nennt man Menschen, die mit technischen Hilfsmitteln in das System Körper eindringen wollen, um es für sich positiv zu verändern.

