ESC 2026: Israel bleibt dabei - mehrere Länder boykottieren
Autor: Matthias Röder, Cindy Riechau, Melissa Erichsen und Jan Mies, dpa
, Donnerstag, 04. Dezember 2025
Israel darf am Eurovision Song Contest 2026 teilnehmen - aber zu welchem Preis? Unmittelbar nach der wegweisenden Entscheidung der Europäischen Rundfunkunion kündigen mehrere Länder einen Boykott an.
Nach monatelangem Streit um die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2026 haben sich die Unterstützer um Deutschland durchgesetzt. Der weltbekannte Musikwettbewerb wird im kommenden Jahr in Wien dennoch anders sein: Die übertragenden Sender mehrerer Länder um die Schwergewichte Spanien und Irland kündigten wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg einen Boykott an.
Eine Beteiligung Irlands am ESC sei «angesichts des entsetzlichen Verlusts von Menschenleben in Gaza und der humanitären Krise dort» unzumutbar, teilte der Sender RTÉ mit. Der Präsident des spanischen Senders RTVE, José Pablo López, sagte, die Entscheidung zur Teilnahme Israels bestätigte, dass es sich nicht um einen Musikwettbewerb handele, sondern um ein Festival, das von geopolitischen Interessen dominiert werde.
Die Spanier gehören wie Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich zu den fünf wichtigsten Geldgebern der Veranstaltung, die am 16. Mai 2026 von dem österreichischen Sender ORF organisiert wird. Das Motto des 70. ESC-Finales steht unter dem Motto «United by Music» - vereint durch Musik. Neben Spanien und Irland kündigten aber auch die Niederlande und Slowenien einen Boykott an.
Mehrheit der Teilnehmersender für Teilnahme Israels
Unmittelbar zuvor hatte in Wien die Mehrheit der Mitgliedssender einer Änderung der Abstimmungsregeln zugestimmt, wie die Europäische Rundfunkunion (EBU) mitteilte. Dies bedeute auch, dass alle Länder an dem Musikwettbewerb teilnehmen könnten, die das wünschten.
«Wir freuen uns auf die Teilnahme am ESC 2026 als Fest für Kultur, Vielfalt und Zusammenhalt», hieß es kurz nach der Bekanntgabe vom für Deutschland beim ESC federführenden Südwestrundfunk (SWR). Die ARD habe sich im Rahmen der Abstimmung aus Überzeugung für die Regelungen zum erweiterten Schutz des ESC ausgesprochen. Die Maßnahmen zielten darauf ab, die Transparenz, Neutralität und Fairness in den Abstimmungs- und Organisationsprozessen zu festigen.
«Die Absagen einzelner EBU-Mitglieder für den ESC 2026 bedauern wir außerordentlich, respektieren aber selbstverständlich die Entscheidungen der jeweiligen Sender», hieß es in der Mitteilung weiter.
Veranstalter hält ESC für unpolitisch
Die Veranstalter um die EBU in Genf betrachten den ESC als unpolitisches, künstlerisches Ereignis. Da sei «jede Form der Ausgrenzung, jede Form von latentem Antisemitismus und jede Form von Boykott Fehl am Platze», hatte Weimer gesagt. Allerdings hatten längst insbesondere die Spanier und Iren ihre Boykottpläne veröffentlicht. Beim ESC entsenden die öffentlich-rechtlichen Sender eine Musikgruppe, eine Künstlerin oder einen Künstler für ihr Land.