Horst Schlämmer auf Mission Deutschland-Rettung
Autor: Christoph Driessen, dpa
, Donnerstag, 26. März 2026
Eigentlich war Horst Schlämmer, der wandelnde Herrenwitz, schon ausgemustert. Doch nun ist er in abendfüllender Länge zurück. Schlämmer-Schöpfer Hape Kerkeling erklärt im Interview, warum.
Es gibt eine wirklich irreale Szene in Hape Kerkelings neuem Kinofilm. Horst Schlämmer thront in voller Pracht mit seinem beigen Trenchcoat, Herrenhandtäschchen, Überbiss und Schnappatmung auf einem zu kleinen Stuhl, und ihm gegenüber sitzt niemand anderer als Kardinal Rainer Maria Woelki und lacht sich kaputt. Eben jener Kirchenfürst, der sich seit Jahren in seinem Erzbischöflichen Haus verkapselt und von der Außenwelt abschottet. Ausgerechnet Horst Schlämmer hat ihn aus seiner Isolation erlöst. Er wirkt richtig befreit.
Wie ein Wiedergänger aus einer längst überwunden geglaubten Zeit ist der stellvertretende Chefredakteur des «Grevenbroicher Tagblatts» in die Gegenwart zurückgekehrt, und das gleich abendfüllend mit dem Kinofilm «Horst Schlämmer sucht das Glück». Das ist angelehnt an die italienische Zeichentrickserie «Herr Rossi sucht das Glück» von 1976.
Schlämmer-Schöpfer Hape Kerkeling, Jahrgang 1964, hat sich das damals in seiner Recklinghäuser Heimat natürlich im Fernsehen angeschaut. Es war eine lustige Serie, aber mit einem schon für Kinder wahrnehmbaren melancholischen Unterton. Herr Rossi reiste durch Raum und Zeit, aber das Glück war nie dort, wo er sich gerade befand.
So ähnlich geht es nun auch Horst Schlämmer. Die Stimmung in Deutschland ist mies, jeder weiß das, und dies gilt selbst für das Rheinland. Deshalb geht der Grevenbroicher Horst auf die Suche nach einem Gegenmittel – es wird eine Odyssee kreuz und quer durch Deutschland, so ähnlich wie Asterix und Obelix manchmal ganze Länder abreisen und dabei den komischsten Vögeln begegnen.
Passt Horst Schlämmer noch ins Jahr 2026?
Nun ergab sich in diesem Fall allerdings das Problem, das Horst Schlämmer eine Figur ist, die vor über 20 Jahren erfunden wurde. Ein alter weißer Mann, der neben seiner undeutlichen Aussprache samt Grunzlauten in erster Linie für seine übergriffige Art, namentlich gegenüber Frauen, bekannt ist. Kerkeling entwarf ihn anfangs als Rache an allen Reportern, die ihm im Laufe seiner Karriere in Provinzfoyers und Garderoben aufgelauert hatten. Ein Typ, bei dem man sich den Mundgeruch dazudenkt.
Doch die Figur verselbständigte sich, begann ihr eigenes Leben, wurde zu seiner mit Abstand populärsten Kreation. Zwischenzeitlich hat er sie zwar auch mal beerdigt, doch auf Dauer kam er ebenso wenig von ihr los wie Sir Arthur Conan Doyle von Sherlock Holmes.
Jetzt kann Schlämmer, dieser wandelnde Herrenwitz, im Jahr 2026 allerdings nicht mehr unbeaufsichtigt auf die Menschheit losgelassen werden. Man hat ihm nun eine junge Frau an die Seite gestellt, die Kamerafrau Anna (Laura Thomas). Sie könnte nach Schlämmers Dafürhalten seine Tochter sein, nach ihrer eigenen Einschätzung eher seine Enkelin. Anna kommt nicht ins Bild, sondern filmt und dirigiert ihn aus dem Off.