Hitzeschlacht im Techno-Takt: Parade gegen Terrorangst
Autor: Marion van der Kraats und Stefan Kruse, dpa
, Samstag, 15. August 2026
Vor drei Wochen endet der CSD in Berlin in einer Tragödie. Nun steigt die nächste Mega-Party - unter massivem Polizeischutz. Die Stimmung ist ausgelassen, es gibt aber auch einen stillen Moment.
Zehntausende Techno-Jünger schwitzen bei der Techno-Parade «Rave The Planet» im Berliner Tiergarten, tanzen trotz 35 Grad unablässig im Takt der Bässe. Die erste Großveranstaltung nach dem islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) vor drei Wochen stellt Polizei und Veranstalter vor besondere Herausforderungen: Es gilt - ganz in der Nähe des damaligen Tatorts - die Sicherheit der Raver zu gewährleisten und sie gleichzeitig vor den Auswirkungen der Hitze zu schützen.
Für das als Demonstration angemeldete Spektakel unter dem Motto «Imagine Love» auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei zeigt starke Präsenz und ist mit rund 1.500 Beamten im Einsatz. Ein Hubschrauber ist in der Luft, auch Drohnen will die Polizei zum Schutz der bis in den Abend andauernden Veranstaltung aufsteigen lassen.
Drohnen und Absperrungen
Weiträumig sind Straßen und Wege in der Umgebung gesperrt und teils mit Pollern gesichert. Polizistinnen und Polizisten sind zu Fuß und auf Pferden auf den Wegen im weitläufigen Tiergarten unterwegs. S-Bahn-Züge halten nicht mehr am Brandenburger Tor. Auch die U-Bahnhöfe Brandenburger Tor und Bundestag werden nicht angefahren.
Schweigeminute zum Auftakt
Insgesamt erwarten die Veranstalter bis zu 300.000 Techno-Fans, die Polizei spricht gegen 17.30 Uhr von Zehntausenden Teilnehmern. Und die wollen richtig laut sein. Doch zu Beginn der Parade ist es erst mal ganz still. Mit einer Schweigeminute halten die Menschen kurz inne, um an die Opfer des Terroranschlags zu erinnern.
Der Mitbegründer der gemeinnützigen Organisation «Rave The Planet», Dr. Motte, bürgerlich Matthias Roeingh, ruft die Teilnehmer bei der Auftaktkundgebung auf, an Liebe zu denken - für sich selbst, für die anderen. «Dann könnte daraus vielleicht Weltfrieden entstehen. Lasst uns doch diese Vision Wirklichkeit werden», so Dr. Motte.
Julia Miosga vom Berliner CSD-Verein sagt: «Lasst uns mutig sein. Lasst uns Haltung zeigen. Jetzt erst recht.» Anna-Maria Seifert vom Karneval der Kulturen sagt: «Unsere Stadt Berlin ist stark, wenn die Menschen zusammenkommen. Wir sind viele, wir sind vielseitig und darin liegt unsere Stärke.»
Anschlag mit Auto und Machete
Auch am 25. Juli beim CSD feiern Hunderttausende am Brandenburger Tor in Berlins Mitte, ehe der Horror am Abend seinen Lauf nimmt. Ein islamistischer Attentäter fährt in einem Wäldchen im Tiergarten mit einem Van in eine Menschengruppe und attackiert anschließend vermutlich mit einer Machete Anwesende. Eine Frau stirbt, und mindestens 31 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Einen Tag danach erschießt die Polizei den Terroristen.