Partyhits am Fließband
Seitdem gehört Sommer zu den Großverdienern der Playa, tritt mindestens einmal die Woche im Bierkönig auf und liefert zuverlässig Hits: neben «Dicht im Flieger» (über 100 Millionen Streams auf Spotify) etwa «Peter Pan» mit Mia Julia (73 Millionen), «Handwerker» mit Mickie Krause (41 Millionen) oder «Oben ohne» (31 Millionen).
«Wenn ich mir meine Topsongs auf Spotify anschaue, die alle im höheren Millionenbereich liegen, denke ich mir schon: Für diese kurze Zeit ist das echt stark», sagt Sommer sichtlich stolz.
Doch der Musiker will mehr sein als dieser Ballermann-Typ, der «Wo sind die Ladys» in die Menge ruft und von Auftritt zu Auftritt hetzt. Vor zwei Jahren gründet er mit seinem älteren Bruder Max eine Plattenfirma, kauft sich ein Mehrfamilienhaus und baut dort Studios und Büros ein. Gym und Schlafmöglichkeiten sollen folgen.
Hier arbeitet er mittlerweile auch für andere Stars der Partyszene, textet für Stefan Stürmer und Framax («Eine Woche Malle») oder Frenzy («Astronaut»). Seit Weihnachten habe er 10 bis 15 Songs geschrieben und sieben produziert. Eine Akkord-Arbeit, die abseits der Bühne kaum jemand wahrnimmt.
«Seitdem wir das Gebäude haben, bin ich jeden Tag hier und arbeite deutlich mehr, gewissenhafter und strukturierter. Es tut auch gut, einen Arbeitsweg zu haben und nicht nur von zu Hause aus zu arbeiten», sagt er.
So landet man einen Malle-Ohrwurm
Und wie entstehen die Sommer-Hits für den Ballermann? «Bei meinen erfolgreichsten Songs ist mir immer erst eine geile Melodie eingefallen, darauf habe ich dann den passenden Text geschrieben, so dass es auch phonetisch geil klingt.»
Geduldig bastelt Sommer (der wirklich so heißt) mit dem Apple-Programm «Logic Pro» an Akkordfolgen, baut Bässe, kombiniert Drums, bis er ein Instrumental-Demo hat. Bis ihm der dazu passende Text einfällt – gern auch mal im Auto oder unter der Dusche – kann es schon mal Monate dauern.
Bei seinem an Karneval veröffentlichten Song «Wenn ich nüchtern wär» mit Produzentenkollegen Luca-Dante Spadafora geht es vergleichsweise schnell. «Wir hatten zu Beginn eine Akkordfolge und eine richtig geile Melodie. Und dann kam mir die Idee, das Thema aufzugreifen: Wie wäre mein Leben eigentlich, wenn ich öfter nüchtern wäre und nicht so viel Geld für Alkohol ausgeben würde? Und dann hat sich der Song von selbst geschrieben.»
Das Ergebnis: «Wenn ich nüchtern wär, wär ich Millionär, hätt 'ne Segeljacht und ein Haus am Meer.» Auch die kommenden Songs sind schon produziert, unter anderem ein Duett mit Komiker Chris Tall. «So vorbereitet wie dieses Jahr war ich noch nie. Ich habe schon sechs Songs fertig und weiß zumindest bis Juli, wann ich welches Lied rausbringe. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir jetzt hier diesen Workspace haben.»
Das Studio, in dem unter der Decke mehrere Bassfallen hängen, die den Klang im Raum verbessern, ist gewollt wohnlich gehalten: mit Couch, sich drehenden und kippenden Sesseln und viel Hunde-Deko. Nebenan arbeitet Bruder Max an Tourplan und TikTok-Strategie. Seit Anfang März hilft Schwester Luisa beim Social-Media-Marketing mit, Mutter Martina kümmert sich um den Online-Fanshop – ein echter Familienbetrieb aus der Eifel.
So wird der Sommer für Sommer
Doch jetzt ist die stille Arbeit im Hintergrund erst mal vorbei: An diesem Samstag startet Sommers erste Deutschland-Tour in Köln. Die acht Termine seien fast ausverkauft. «Man muss schon sehr viele Fans haben, die einen so gern sehen wollen, dass sie ein Ticket kaufen und in die nächstgrößere Stadt fahren. Das ist schon ein Punkt, auf den ich sehr stolz bin.»
Danach geht es wieder regelmäßig auf die Insel. Mitte April startet der Bierkönig in die Saison. «Wenn wir alles so machen, wie wir es immer machen, sollten auch die neuen Songs wieder gut funktionieren», gibt sich Bruder Max optimistisch. Und ab Oktober heißt es dann wieder ab in die Vulkaneifel, um die Sommer-Hits für 2027 zu schreiben: nüchtern im Studio, statt dicht im Flieger.