Am Rande des TV-Spektakels werden Geburtstagspartys gefeiert, Junggesellenabschiede zelebriert. Vermutlich auch deswegen hat die Sendung, die in sozialen Netzwerken teils heftig diskutiert wird, wie kaum eine andere seit vielen Jahren ihre Fans quer durch die Altersgruppen.
Der TV-Experte Christian Richter sagte vor einigen Jahren der Deutschen Presse-Agentur, der «Fernsehgarten» vermittle ein Lebensgefühl von «Na wenn schon!». Die Show inszeniere sich «als zum Leben erweckter Mainstream». Sie bringe Themen, Trends und Musik, die eher auf Rummelplätzen als im Feuilleton stattfinden, stehe für «Ehrlichkeit und Schlichtheit». ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke verbindet mit dem «Fernsehgarten» Lebensfreude, Musik, Spaß und emotionale Moment, er verbinde seit vier Jahrzehnten Generationen.
Vom Fluch der Mallorca-Show
Mal war die Sendung Treffpunkt für mehr als 100 Zwillingspaare, mal lief Sänger Joey Kelly für den «Fernsehgarten» 24 Stunden auf einem Laufband, für einen guten Zweck wurde dauergerutscht, es gab eine Live-Schalte zur Weltraumstation ISS. Im Juni 2025 wirkte sich die Weltpolitik direkt auf die Produktion aus: «Kiwi», wie Kiewel genannt wird, musste von Joachim Llambi und Lutz van der Horst vertreten werden. Die 60-Jährige kam wegen des gesperrten Luftraums über Israel nicht von Tel Aviv, wo sie wohnt, nach Mainz.
Schon zwei Mal musste die Sendung wegen Unwetters abgebrochen werden. Im Juli vergangenen Jahres wurde das Gelände nach nur etwa 15 Minuten wegen eines Gewitters geräumt. Es traf ausgerechnet die beliebte Mallorca-Ausgabe der Sendung, bei der von der spanischen Urlaubsinsel bekannte Stars mit Party-Hits einheizen. Kiewel, die mit Rudi Cerne moderierte, sprach von einem Fluch über der Mallorca-Show, schon 2019 hatte das Wetter eine solche Ausgabe ins Studio verlegt.
Wandel der Zeit: Selfies statt Autogrammkarten
Der Abbruch der Mallorca-Shows habe ihr unendlich leid für die Zuschauer getan, erinnert sich Kiewel. «Andererseits ergaben sich daraus die besten Live-TV-Momente ever», sagt sie. «Improvisieren und genießen - unvergesslich». Sie habe sich dabei gefühlt wie Thomas Gottschalk und Joko und Klaas zusammen. «Noch nie wurde hinter den Kulissen so viel gerannt mit einem breiten Lachen im Gesicht wie bei diesen beiden Shows.»
Für Kiewel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten fast alles geändert beim «Fernsehgarten». Heutzutage schreibe sie kaum mehr Autogrammkarten, alle machten Selfies mit ihr. «Und wir trauen uns auch mehr. Die Streaming-Plattformen und natürlich Social Media haben die Grenzen von dem, was man darf, nach hinten geschoben», sagt die 60-Jährige. «Davon profitieren wir natürlich.»
Vor dem Auftakt der Jubiläums-Saison kündigte die Moderatorin schon mal in sozialen Netzwerken einen «mega durchgeknallten, verrückten, extrem durchgeknallten Sommer» an. Der bringt im August auch eine «Xmas Party», eine Weihnachtsfeier mitten im Hochsommer.