«Gladiators»-Comeback: In KI-Ära trendet Schweißfernsehen
Autor: Jonas-Erik Schmidt, dpa
, Donnerstag, 06. August 2026
Das grelle 90er-Jahre-Phänomen «American Gladiators» wird neu aufgelegt. Womöglich erzählt das Revival aber weniger von den 90ern als von einer Gegenwart, in der Körperlichkeit wieder an Wert gewinnt.
Fernsehen war früher bisweilen einfacher: Zwei Menschen, zwei große Wattestäbchen - und dann gab's auf die Mütze. «American Gladiators» hieß die Show, die man heute guten Gewissens Design-Studenten im Seminar «So sahen die 90er aus» vorführen könnte. Lange galt sie als Relikt aus einer lauteren, grelleren TV-Ära. Das ändert sich nun.
Der Amazon-Streamingdienst Prime Video und RTL haben sich zusammengetan, um «Gladiators - Die Show der Giganten» auf die Bildschirme zu bringen. Sie ist jetzt bei Prime Video zu sehen (Streamingstart 6. August) und vom 4. September an bei RTL.
Man braucht nicht viel Fantasie, um eine Erblinie zu den Muskelbergen in bunter Badekleidung aus «American Gladiators» zu ziehen, die von 1992 bis 1994 bereits bei RTL zu sehen waren. Aber womöglich erzählt die Rückkehr der Show mehr über das Jahr 2026 als über die 90er.
Das Prinzip: Einige kühne Kandidaten treten in Spielen gegeneinander und gegen ein Team aus Profi-Athleten an, den sogenannten Gladiatoren - meistens übermächtig wirkende Bodybuilder oder Kraftsportler. Die Gladiatoren tragen dabei angemessen breitbeinige Kampfnamen wie «Laser», «Giant», «Hammer» oder «Dynamite».
Schauplatz ist zwar nicht das Kolosseum von Rom, aber immerhin so etwas wie das Rom Nordrhein-Westfalens - Düsseldorf. In die dortige Messehalle passt viel Publikum. Prime Video verspricht «echtes Arena-Feeling». RTL spricht von einer «Game-Show, die eine von klassischen Gladiatorenkämpfen inspirierte Mischung» zeige.
Man kann das Revival der TV-Haudraufs als weiteren Ausläufer der Nostalgie-Welle im Fernsehen abtun. Man kann sich aber auch fragen, warum rohe Körperlichkeit offenbar ein vitaler Fernsehtrend ist.