«Nein» zum Rechtsruck - Bayreuths neues Gesicht
Autor: Britta Schultejans und Kathrin Zeilmann, dpa
, Sonntag, 26. Juli 2026
So politisch waren die Bayreuther Festspiele der Nachkriegszeit wohl noch nie: Zum Jubiläum sagt Festspiel-Chefin Wagner «Nein» zum Rechtsruck - und einer wird noch deutlicher.
Einst ging Adolf Hitler dort ein und aus - heute hallt vom Grünen Hügel ein Ruf nach Freiheit und Demokratie: Die Bayreuther Festspiele stellen sich gegen den Rechtsruck in Gesellschaft und Politik.
Es gehe darum, «hier Nein zu sagen» gegen Rassismus, Antisemitismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte Festspiel-Leiterin Katharina Wagner beim Festakt zum 150. Jubiläum. Dies gelte vor allem «wegen der sehr persönlichen Verknüpfung» ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler.
Gegen die «Finsternis der Vergangenheit»
«Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit», sagte die Urenkelin des Komponisten und Festspiel-Gründers Richard Wagner. Darum sei das Jubiläum «weit mehr als ein Anlass, zu feiern». Ziel müsse es sein, «die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären» - «damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet».
Der jüdische Publizist Michel Friedman sieht darin nicht weniger als einen Paradigmenwechsel auf dem Grünen Hügel. Als Festredner bei der Gedenkveranstaltung «Verstummte Stimmen» für verfolgte und ermordete jüdische Musiker sagte er, «dass Katharina Wagner gerade die Erinnerungskultur von Bayreuth verändert» und nannte sie «meine Freundin». «Heute hab ich das Wort und der Antisemit Richard Wagner muss zuhören.»
Die Festspiele haben eine dunkle Geschichte: Der Komponist und Festspiel-Gründer Richard Wagner (1813-1883) verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth. Katharina Wagners Großmutter Winifred Wagner, die die Festspiele damals leitete, galt als glühende Verehrerin.
Politische Debatten im Nachkriegs-Bayreuth unerwünscht
Nach dem Krieg und dem Ende des NS-Regimes ging es aus Sicht Friedmans vor allem darum, das dunkle Kapitel zu schließen und nicht mehr aufzuschlagen. Dazu zitierte er den Wunsch der Brüder Wieland und Wolfgang Wagner, die das Opernspektakel 1951 wiedereröffneten und ihre Gäste ganz explizit baten, «von Gesprächen und Debatten politischer Art freundlich absehen zu wollen».
Die Festspiele hätten jahrelang viel zu wenig für die Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte getan, betonte Friedman und auch Medien und Politik hätten lieber den Musikgenuss zelebriert als sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob auf ihrem Platz womöglich einst Hitler saß. Friedman sagte: «Wie liebevoll vom Grünen Hügel gesprochen wird in der Hoffnung, dass man die braune Erde darunter nicht sieht.»