Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Salman Rushdie
Autor: Agentur dpa
, Montag, 19. Juni 2023
Geehrt werde der Autor, der bei einem Attentat 2022 schwer verletzt wurde, unter anderem für seine Unbeugsamkeit und seine Lebensbejahung, teilte der Stiftungsrat mit.
Im vergangenen Sommer entging er knapp dem Tod, als ein Mann auf einer Bühne mehrfach auf ihn einstach. Nun erhält Salman Rushdie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Geehrt werde er «für seine Unbeugsamkeit, seine Lebensbejahung und dafür, dass er mit seiner Erzählfreude die Welt bereichert», teilte der Stiftungsrat mit.
Verkündet wurde die Nachricht pünktlich zu Rushdies 76. Geburtstag an diesem Montag. «Ich kann der Jury nur für ihre Großzügigkeit danken», wird der in New York lebende Autor zitiert. «Ich weiß, wie bedeutsam dieser Preis ist, und ich bin ein wenig eingeschüchtert von der Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger, zu der sich mein Name nun gesellen wird. Ich freue mich wirklich sehr.»
Rushdie zählt längst zu den berühmtesten Schriftstellern der Welt. Geboren wurde er im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 im damaligen Bombay (heute Mumbai). Über seine Kindheit sagte er einmal, sie habe ihn mit einem «Lagerhaus an fantastischen Erzählungen» beschenkt, «wundervolle Geschichten aller Art». Mit 14 Jahren wurde er zum Grenzgänger zwischen den Kulturen, als er auf das englische Eliteinternat Rugby geschickt wurde. Später studierte er Geschichte am King's College in Cambridge.
Seinen Durchbruch erlangte er mit dem Buch «Mitternachtskinder», das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Er erzählt darin die Geschichte von der Loslösung Indiens vom Britischen Empire.
Ein Leben in ständiger Gefahr
Insgesamt veröffentlichte Rushdie mehr als zwei Dutzend Romane, Sachbücher und andere Schriften. In seinen Werken verbinde er erzählerische Weitsicht mit stetiger literarischer Innovation, Humor und Weisheit, erklärte der Stiftungsrat. «Dabei beschreibt er die Wucht, mit der Gewaltregime ganze Gesellschaften zerstören, aber auch die Unzerstörbarkeit des Widerstandsgeistes Einzelner.»
Denn auch Rushdie selbst, der seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt wird, lebt in ständiger Gefahr. In seinem Roman «Die satanischen Verse» sehen einige Muslime eine blasphemische Provokation. 1989 rief der damalige iranische Revolutionsführer Ayatollah Chomeini dazu auf, den Schriftsteller zu töten.
Mehr als 30 Jahre später kommt es dann tatsächlich zu einem Attentat: Im August 2022 wird er während eines Vortrags im US-Bundesstaat New York angegriffen und schwer verletzt. Rushdie, der seitdem auf einem Auge blind ist, arbeitet inzwischen an einem Buch über die Attacke.