Magischer Realismus
Trotz der ständigen Gefahren sei er «nach wie vor einer der leidenschaftlichsten Verfechter der Freiheit des Denkens und der Sprache - und zwar nicht nur seiner eigenen, sondern auch der von Menschen, deren Ansichten er nicht teilt», hieß es in der Begründung des Stiftungsrats. «Unter hohen persönlichen Risiken verteidigt er damit eine wesentliche Voraussetzung des friedlichen Miteinanders.»
Rushdies Stil wird als Magischer Realismus bezeichnet, in dem sich realistische mit fantastischen Ereignissen verweben. Zugleich sieht er sich unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Denn öffentlich und deutlich seine Meinung zu zeigen, dafür ist Rushdie bekannt.
Zuletzt warnte er vor Angriffen auf die Meinungsfreiheit in westlichen Ländern - die Gefahr sei so groß, wie noch nie zu seinen Lebzeiten. In die Debatte um die sprachliche Anpassung von Büchern mischte sich Rushdie ebenfalls wiederholt ein. Heute als anstößig empfundene Begriffe aus Werken zu verbannen, die etwa von Kinderbuchautor Roald Dahl und James-Bond-Erfinder Ian Fleming stammen, bedeute eine «absurde Zensur», sagte Rushdie einmal. Ein andermal betonte er: «Die Idee, James Bond politisch korrekt machen zu wollen, ist beinahe skurril.» Es müsse zugelassen werden, «dass Bücher aus ihrer Zeit zu uns kommen und ihrer Zeit entstammen».
Seinen jüngsten Roman «Victory City» beendete Rushdie noch vor dem Attentat. Das sei gutes Timing gewesen, sagte er zur Veröffentlichung. Andernfalls hätte es sein können, dass er aus dem Tritt geraten wäre.
Reaktionen und Gratulationen
Kulturstaatsministerin Claudia Roth gratulierte zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. «Wie kaum ein anderer steht Salman Rushdie für den mutigen und unerschütterlichen Einsatz für die Freiheit des Wortes und das seit mittlerweile vielen Jahrzehnten», sagte die Grünen-Politikerin. Leider stehe der Name Salman Rushdies auch stellvertretend für die Gefahr, der mutige und leidenschaftliche Schriftstellende weltweit ausgesetzt sein könnten. Auch das PEN-Zentrum Deutschland, deren Ehrenmitglied Rushdie ist, sprach Gratulationen aus.
Der deutsch-österreichische Bestsellerautor Daniel Kehlmann, der eng mit Rushdie befreundet ist, begrüßte am Montagabend in der 3sat-Sendung «Kulturzeit» die Entscheidung auch als «Zeichen der Solidarität». «Wenn man so lebt, dass das Leben bedroht ist, dann ist das keine leere Geste, dann heißt das etwas. Und alles, was den Umstand hervorhebt, dass er ein wirklich ganz großer Schriftsteller ist, ein richtungsweisender Schriftsteller seiner Generation und unserer Zeit, das ist auch ganz wichtig», sagte Kehlmann.
Der 76-Jährige erhält aber nicht nur Branchenpreise. Bereits 2007 wurde Rushdie in Anerkennung seines Lebenswerks in Großbritannien zum Ritter geschlagen und darf sich seitdem Sir Ahmed Salman Rushdie nennen.
Zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 22. Oktober wird Rushdie persönlich in der Frankfurter Paulskirche erwartet. Im vergangenen Jahr ging die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung an den ukrainischen Autor Serhij Zhadan.