Finale im Høiby-Prozess: Das fordern die Verteidiger
Autor: Julia Wäschenbach, dpa
, Donnerstag, 19. März 2026
Showdown in Oslo: Die Staatsanwälte wollen den Sohn von Norwegens Kronprinzessin lange hinter Gittern sehen. Die Verteidiger plädieren auf Freispruch von den Vergewaltigungs-Vorwürfen.
Der Gerichtssaal 250 in Oslo ist zum Endspurt des Vergewaltigungs-Prozesses gegen Marius Borg Høiby bis auf den letzten Platz gefüllt. Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin trägt laut der Zeitung «Verdens Gang» ein schwarzes Hemd und sitzt, wie so oft in den vergangenen Wochen, über den Tisch gelehnt und zeichnet, während seine Verteidiger das Wort haben.
Die fordern am letzten Prozesstag einen Freispruch von den schwersten aller Vorwürfe: den Vergewaltigungs-Anklagen. «Es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, dass Marius für die Vergewaltigungen verurteilt werden kann», sagt Verteidiger Petar Sekulic. «In keinem der vier Fälle.»
Verteidiger plädieren auf eineinhalb Jahre Haft
Eineinhalb Jahre Haft - das sei das richtige Strafmaß für die Taten, die Marius Borg Høiby verübt und gestanden habe, meinen Sekulic und seine Kollegin Ellen Holager Andenæs. Dabei geht es etwa um Gewalt in der Beziehung zu einer Ex-Freundin, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil Frogner «Frogner-Frau» nennen, Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu der Frau, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3,5 Kilo Marihuana.
Am Tag zuvor hatte die Staatsanwaltschaft dagegen mehr als sieben Jahre Haft verlangt. Vier Frauen soll Høiby nach norwegischem Recht vergewaltigt haben, während die mutmaßlichen Opfer schliefen - doch die Verteidiger sehen das nicht als erwiesen an. Videos, die der Angeklagte selbst während der mutmaßlichen Taten gemacht haben soll, seien keine eindeutigen Beweise - und ohne diese stehe Høibys Wort gegen das der Frauen, so Sekulic.
Høibys Verteidiger: Hat ein mutmaßliches Opfer gelogen?
Sekulic säte Zweifel an der Glaubwürdigkeit vor allem eines der mutmaßlichen Opfer. «Ich glaube, dass sie einen lockeren Umgang mit der Wahrheit und Fakten hat - und dass sie während der sexuellen Handlungen höchstwahrscheinlich wach war», sagte der Verteidiger laut «Verdens Gang». Die Frau hatte Medien zufolge ausgesagt, einen Blackout gehabt zu haben, und nahegelegt, dass ihr jemand Drogen verabreicht hatte.
In anderen Fällen argumentierte Sekulic laut der Zeitung damit, dass die betroffenen Frauen kurz vor den vorgeworfenen Taten bereits mehrfach einvernehmlichen Sex mit Høiby hatten. Sie hätten mit ihm geflirtet, sich von seinem Promi-Status angezogen gefühlt und sich freiwillig auf One-Night-Stands mit ihm eingelassen. Mehrere der Frauen hätten die anschließenden Vorfälle zunächst nicht als Übergriffe betrachtet. Auch hier lasse sich nicht eindeutig klären, ob sie wirklich geschlafen hätten, sagte Sekulic demnach. «Alle Vorfälle haben nach einer höchst freiwilligen Aktivität zwischen beiden Seiten stattgefunden», sagte Verteidigerin Andenæs. Das Gericht müsse das berücksichtigen.
Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafe
Die Staatsanwaltschaft sieht die Vergewaltigungen dagegen als bewiesen an. Sie hält Mette-Marits Sohn in 39 von 40 Anklagepunkten für schuldig und forderte sieben Jahre und sieben Monate Haft für Høiby.