Faszination True Crime – Was steckt hinter dem Phänomen?
Autor: Celine Frohnapfel, dpa
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Ein Genre mit Millionenpublikum: True Crime boomt und bekommt jetzt sogar eine Ausstellung gewidmet. Hinter echten Fällen stehen aber auch echte Betroffene und ein verzerrtes Bild von Kriminalität.
Ob Podcast, Doku, Netflix-Serie oder Bühnenshow: Die Faszination für wahre Verbrechen spiegelt sich in einer Vielzahl von True-Crime-Formaten wider. In Köln wird dem Genre über reale Kriminalfälle nun sogar eine ganze Ausstellung über Mehrfachmörder gewidmet: «Serienkiller - Die True Crime Ausstellung» (Start: 8. Mai).
Mit teils sehr blutigen und expliziten Kulissen sowie Virtual-Reality-Elementen kommen Krimi-Fans in der Kölner Ausstellung den Geschichten von Tätern scheinbar so nah wie nie. Was vielen als neuer Trend mit derzeitigem Höhepunkt vorkommt, hat jedoch bei genauerem Hinsehen eine lange Tradition.
«Wenn von einem True-Crime-Hype die Rede ist, muss ich so ein bisschen schmunzeln – das hat es eigentlich immer schon gegeben», sagt Philipp Fleiter vom Podcast «Verbrechen von nebenan». «Die Leute sind im Mittelalter auf den Marktplatz gelaufen, um sich Hinrichtungen anzusehen, "Aktenzeichen XY" läuft seit gefühlt hundert Jahren, also diese Faszination für Verbrechen, die gab es immer schon.»
Als er 2019 seinen True-Crime-Podcast mit Fällen aus seiner Heimatregion startete, war das im deutschsprachigen Raum aber trotzdem noch ein Novum. Dahinter steckte vor allem auch die eigene Faszination für «dunkle Themen».
Spannung wie in der Achterbahn
Dass die vermeintlich böse Seite der menschlichen Psyche nicht nur die Macher von True-Crime-Formaten selbst reizt, zeigt das große – vor allem weibliche – Publikum, das ihnen zuhört und zuschaut.
Vor allem Podcasts als Plattformen hätten in den letzten Jahren für einen Boom des Genres gesorgt, stellt Gina Rosa Wollinger, Buchautorin («True Criminology») und Professorin an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW, fest. «Wir holen uns sehr freiwillig Krimis ins Wohnzimmer.»
Neben wahren Verbrechen sind es schließlich auch fiktionale Geschichten, für die sich Millionen Menschen in Deutschland in Form von Büchern, Filmen oder Serien alltäglich begeistern. «Ich schaue mir eine andere Welt an, während ich selbst gemütlich in meinem Bettchen liege oder auf dem Sofa sitze», erklärt Fleiter sich das Phänomen.