Familie als Anker – Senta Berger über Liebe, Verlust und Mut
Autor: Cordula Dieckmann, dpa
, Mittwoch, 13. Mai 2026
Ein Sturz, ein Filmpreis und ein großer Wunsch: Senta Berger blickt zurück auf Glück, Schmerz und den Mut, immer wieder aufzustehen. Wie sie mit Verlust umgeht und was ihr Herz bewegt.
Senta Berger wird 85? Kaum zu glauben. Denn wer die berühmte Schauspielerin trifft, erlebt eine charmante und energiegeladene Frau, der man ihr Alter wirklich nicht anmerkt. Selbst einen Oberschenkelbruch im Januar hat sie gut weggesteckt. Disziplin, Kraft und einen starken Willen - das lernte die gebürtige Wienerin schon als 16-Jährige in der Tanzausbildung. «Und das hält mich bis heute zusammen», sagte Berger der dpa in München anlässlich ihres 85. Geburtstages am Mittwoch (13. Mai). «Mein Körper, der hat es nicht vergessen, wie man aufsteht.»
Fitnessraum statt Rollator
Denn sich einfach gehen lassen? Nicht ihr Ding, auch nicht nach dem Unfall, bei dem sie im Januar vor einer Lesung in Hamburg von der Bühne gestürzt war. Nach einer Operation folgte eine mehrwöchige Reha. Das tägliche Programm «von 8.30 bis 17.00 Uhr» nahm Berger ernst. «Es gibt auch Leute, die sagen: Oh, heute habe ich Migräne, ich gehe jetzt nicht in den Fitnessraum, aber so etwas würde ich mir niemals erlauben, wenn ich schon die Chance habe, in der Reha zu sein», stellt sie pragmatisch fest. «Ich wollte einfach nicht mit dem Rollator gehen müssen. Vielleicht kommt das irgendwann noch, aber jetzt kämpfe ich noch dagegen.»
Handwerk, Hollywood und Buhlschaft
Eine optimistische und lebensbejahende Einstellung, die typisch ist für Berger. Als 16-Jährige stand sie erstmals vor der Kamera, für den Film «Die unentschuldigte Stunde». 1961 kam der Durchbruch mit der Romanverfilmung «Es muss nicht immer Kaviar sein». Auch Hollywood wollte die hübsche, temperamentvolle Schauspielerin haben, deren Vorbild die italienische Diva Sophia Loren war. Sie drehte Filme wie «Major Dundee» oder «Cast a Giant Shadow», später folgten viele französische und italienische Komödien.
«Na ja, so ist das beim Film. Verdienst gut, aber bist verkauft», kommentierte ihr Vater die Leinwandkarriere seiner Tochter, nachzulesen in ihrer Autobiografie «Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann». Heute sagt Berger über ihre ersten Jahre: «Ich habe einen Vertrag gehabt als sehr junges Mädchen mit einem Filmproduzenten, der sehr viele Filme produziert hat. Am laufenden Band, und ich war in sehr vielen Filmen drin», sagt sie. «Das waren meine Handwerksjahre. Die Filme waren schlecht, aber das Handwerk habe ich gelernt.»
Dass Berger ihr Handwerk beherrscht, davon zeugt die enorme Bandbreite ihrer Rollen, für die sie viele Preise einheimste.
Bei den Salzburger Festspielen gab sie von 1974 bis 1982 die Buhlschaft im «Jedermann». Sie spielte in Kultserien wie «Kir Royal» oder «Die schnelle Gerdi». Und fürs ZDF ermittelte sie jahrelang in der Krimi-Serie «Unter Verdacht». Auch in vielen Fernseh- und Kinofilmen ist sie zu sehen, etwa im Drama «Weißt Du noch» oder in der Komödie «Willkommen bei den Hartmanns», erstmals unter Regie ihres Sohnes Simon Verhoeven.
«Da passiert jetzt etwas Großes»
Ein aufregendes, glamouröses Leben - doch das schönste Geschenk war nicht der Erfolg, sondern die Liebe, «Michael, natürlich». 1963 traf sie am Filmset von «Jack und Jenny» den drei Jahre älteren Mediziner Michael Verhoeven, der nebenbei schauspielerte. Ein Filmkuss brachte sie zusammen - der Beginn einer großen Liebesgeschichte, die 1966 durch eine Hochzeit und später mit den Geburten ihrer Söhne Simon und Luca gekrönt wurde.