Emotionaler Film über Olivia - Dragqueen aus der Provinz
Autor: Christiane Bosch, dpa
, Dienstag, 12. Mai 2026
Dragqueen Olivia Jones hinterlässt Eindruck. Und das liegt nicht nur an ihrer Größe oder den schrillen Outfits. Ihr Leben selbst ist so interessant, dass man es verfilmen sollte. Hat man nun.
«Hallöchen, meine Hasen!»: Wenn Dragqueen Olivia Jones diese Begrüßung ruft, jubelt die Menge und die Laune steigt. Jones ist seit Jahren eine starke Marke. Und eine feste Bank im Kampf für Toleranz, Liebe und Vielfalt, zudem Gastronomin und Unternehmerin. Doch ihr Weg war durchaus steinig - und mutig. Nun wurde das spannende Leben von Oliver Knöbel - dem Mann hinter der Kunstfigur - verfilmt.
Das Biopic über die Zwei-Meter-Erscheinung aus Springe in Niedersachsen sorgt für Gänsehaut, Lacher, Taschentuch-Momente - und hallt nach. Der ZDF-Film «Olivia» mit einem fantastischen Johannes Hegemann («In Liebe, eure Hilde») in der Hauptrolle ist jetzt im ZDF-Streamingportal abrufbar. Die TV-Ausstrahlung steht am 13. Mai im ZDF-Programm zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Der Film basiert auf der Biografie «Ungeschminkt» von Jones. Regisseur ist Till Endemann.
Ab ins Scheinwerferlicht
Die ersten Szenen des Filmes zeigen direkt die bunte Welt der Travestie: Glitzerfingernägel, Glitzer-Make-up, Glitzer-Perücke, Busen richten, Scheinwerferlicht, ein glückliches Lächeln. Oliver Knöbel alias Olivia Jones geht es endlich richtig gut.
Doch es kostete viel Kraft und Optimismus, um dort anzukommen. Denn in den 70er und 80er Jahren ist gerade auf dem Land Anderssein eher verpönt.
Annette Frier als überforderte und verständnislose Mutter
Die Mutter (Annette Frier) hat es ohnehin schon nicht leicht. Alleinerziehend. Der Vater ihres Kindes ist nach einem Bankraub im Gefängnis. Im Ort wird getratscht. Dass ihr kleiner Junge dann auch noch Frauenkleider und Schmuck trägt und sich die Lippen rot schminkt, bringt sie an ihre Grenzen.
«Ich lasse mich hier nicht zum Gespött der Leute machen. Was soll nur aus dir werden?», schleudert die überforderte Mutter ihrem Sohn entgegen. «Aus mir muss nichts mehr werden, ich bin schon was. Ich bin Travestiekünstler», entgegnet der Sohn ihr lächelnd. Und ihre Antwort ist niederschmetternd: «Das ist abartig, was du machst. Wer so was macht, ist Abschaum.»
Enttäuschung, Traurigkeit, Trotz - Knöbel kämpft für sein Sein. Wieder und wieder, aufgeben ist keine Option: mit einem Freund, der sich das Outing nicht traut. Mit den prügelnden Krawall-Idioten aus dem Ort. Mit den Musterungsärzten der Bundeswehr und selbst auf dem Hamburger Kiez, wo Travestiekünstlerin Lilo Wanders alias Ernie Reinhardt ihn einst entdeckte.