Ein Franke als Luxusmakler auf Mallorca
Autor:
, Samstag, 24. Sept. 2011
Kurz nachdem Marcel Remus aus Altdorf nach der zehnten Klasse die Schule beendet hatte, entdeckte er Donald Trump als Vorbild. Er beschloss, mit 25 Jahren seine erste Million verdient zu haben. Heute verkauft er Luxus-Immobilien auf Mallorca, häufig begleitet von Fernseh-Teams. In gut einer Woche wird er 25.
Küsschen links, Küsschen rechts: Marcel Remus umarmt Liz Hurley. Marcel Remus plaudert mit Paris Hilton auf dem roten Teppich. Marcel Remus bei der Oscar-Verleihung. Der 24-Jährige ist in letzter Zeit häufig im Fernsehen, eine Randfigur an den Orten der Reichen und Schönen. Opernball, Filmfestspiele in Cannes, an diesem Wochenende das Oktoberfest - für ihn sei das alles Arbeit, sagt Remus. Er muss Kontakte pflegen, Kontakte knüpfen, dort sein, wo das Geld ist. "Auf der Wiesn werd ich mir bestimmt keine fünf Maß reinziehen und auf'm Tisch tanzen", sagt er und lacht. Charmant, jugendlich. Unverschämt jung für einen, der bereits soviel geschafft haben will.
Remus verkauft Luxusimmobilien auf Mallorca, und ist gerade zum Heimatbesuch in Deutschland. Am Wochenende dreht er in München mit RTL für die Sendung "Explosiv". Der smarte Typ macht sich gut auf der Mattscheibe; nachdem er vor zwei Jahren in der Sendung "Goodbye Deutschland" zu se hen war, kam "Mein Auslandstagebuch" und später "Mieten, kaufen, wohnen". "Jeder guckt gerne Mallorca-Immobilien an, und Luxus-Immobilien sowieso. Wer möchte denn nicht wissen, wie ein Millionär wohnt?"
Bisher habe er 20 Folgen der Wohnungssuch-Doku gedreht. "Wir haben den Vertrag bis Sep tember 2012 verlängert. Nächs tes Jahr gibt es 30 weitere Folgen."
Inzwischen hat er auch Immobilien im Portfolio, die nicht auf Mallorca sind: die Schweiz, Südfrankreich, ein Schloss in Franken. Später wolle er einem Kunden noch ein "Objekt im Raum Nürnberg" zeigen, sagt er. Und am Montag, bevor es nach Spanien zurück geht, steht eine Besichtigung in München an. Nun aber erst mal das Interview. Remus sitzt in einem Nürnberger Eiscafé, nicht weit von seinem früheren Zuhause, und erzählt von der Schulzeit in Altdorf.
Höhere Mathematik
"Ich war überhaupt kein Musterschüler - eher im Gegenteil." Wieder jugendliches Grinsen. Der 24-Jährige findet es lustig, dass er "jeden Tag mit Millionenbeträgen" zu tun hat, denn in der Schule war "Mathe 'ne Katastrophe." Als Makler braucht er keine Kurvenberechnungen. "Ich muss auch keine Wurzeln ziehen und diesen ganzen Quatsch. Plus, Minus, Mal, Geteilt und Prozentrechnen - das reicht."
Am wichtigsten ist das Prozentrechnen: Je nach Immobilie bekommt Remus beim Verkauf fünf oder sechs Prozent Provision. Die günstigste - "das hört sich jetzt so blöd an, wenn man von günstig spricht" - hätte er vergangene Woche für 1,35 Millionen Euro verkauft. Die teuerste vergangenes Jahr für 9,25 Millionen.
Nach der Schule wanderte Remus nach Mallorca aus, schlug sich als Reitlehrer und mit Auftritten bei der Pferde-Show Apassionata durch, überlegte, was er sonst machen könnte und fand die Architektur auf Mallorca spannend. Vor allem die Architektur der Luxus-Immobilien. Er heuerte bei einem Maklerbüro an. Als er 19 Jahre alt war, habe er zum ersten Mal ein Appartement verkauft. "Ich saß im Büro, es war Mittagspause, und keiner der Kollegen war da", erzählt er. "Dann kam ein Spanier rein - und das ist schon was anderes als das Spanisch in der Schule." Aber es habe geklappt. "Dem habe ich gleich ein Appartement verkauft."
Zehn Immobilien habe er in einem Jahr an den Mann gebracht und damit gut verdient. Aber er wollte mehr. Er machte sich selbständig. "Mein Vorbild ist Donald Trump", sagt der 24-Jährige. Er gibt unumwunden zu, dass er reich werden will. "Wenn man ständig solche Häuser sieht, ja, dann möchte man irgendwann selbst so was haben."
Remus wohnt schon lange nicht mehr in der Zwei-Zimmer-Wohnung, die er anfangs in Palma hatte. Heute lebt er in einem 180-Quadratmeter-Penthouse mit drei Schlafzimmern und Pool auf der Terrasse. Er arbeitet zielstrebig an der Trump-Nachfolge. Und wie sein Vorbild nutzt er die Medien dafür, versucht, immer neue Kontakte zu knüpfen. "Von Kontakten lebt man. Wer keine Kontakte hat, kommt nicht weit." Er sei stets dabei, sein Netzwerk auszubauen, die Marke "Marcel Remus" bekannt zu machen. Und da revanchiert er sich selbstverständlich für eine Einladung auch mal mit einer Spende an die Charity-Organisationen der Promis.
Die Szene sei ein Netzwerk. "In diesen Kreisen kennen sich alle." Durch Liz Hurley sei der Kontakt zu Elton John entstanden. "Dann stellt dich ein Bekannter bei den Filmfestspielen in Cannes zum Beispiel James Blunt vor. Und auf einmal lädt dich Elton John zu sich nach Hause ein, zum Urlaub machen für 'ne Woche. Unfassbar!" Über Elton John wiederum sei der Kontakt zum Innenarchitekten von Christina Aguilera und Cher gekommen. "Für mich ein sehr interessanter Kontakt. Welcher Makler kann seinen Kunden schon so einen Einrichter empfehlen?"
Trotzdem: In der Wirtschaftskrise als Makler Erfolg haben, auch noch in Spanien, und das in dem Alter? Etwa 2000 Makler gibt es auf Mallorca, und er sei mit Abstand der jüngste. Gerade das sieht Remus als Vorteil. "Alles anders als alle anderen" - das ist seine Firmenphilosophie. Mal verteilt er Flyer, mal klingelt er bei einer Villa und erklärt frech: "Ich würde gerne ihr Haus verkaufen", mal erscheint er in Jeans und Turnschuhen zum Besichtigungstermin in einer Luxusbude. "Warum nicht? Es kam gut an - bei 35 Grad. Alle meine Kunden sind im Urlaub, alle kommen vom Strand." Heute trägt er Anzug: dezentes Dunkelgrau, weißes Hemd, eine swimmingpool-blaue Krawatte. Für den Besichtigungstermin in Franken bevorzugt er ein geschäftsmäßiges Auftreten.
Bei den ersten Terminen musste er sich in Kleidungsfragen von Mama beraten lassen. "Gestreifte Krawatte zum karierten Hemd und so: Ich hatte keine Ahnung." Noch einmal das charmante Jungenlachen - kann gut sein, dass die Kunden darauf anspringen. Vor allem, weil bei den meisten Paaren, wie Remus sagt, letztendlich die Frau über einen Immobilienkauf entscheidet.
Sein Alter hat aber noch einen Vorteil: "In 15 Jahren werde ich auf Mallorca der Makler mit der meisten Erfahrung sein." Dann ist er schon fast 40, und will soviel verdient haben, dass er nur noch "zum Spaß" arbeiten muss. Die erste Frist, die er sich für seine Karriere gesetzt hat, läuft in gut einer Woche ab. Mit 25 wolle er die erste Million verdient haben, hatte Remus vor zwei Jahren gesagt. Am 3. Oktober ist sein 25. Geburtstag. Und wie schaut's mit der Million aus? "Och", sagt er. "Ich bin ganz zufrieden, wie alles gelaufen ist."