Die Rückkehr großer Gefühle – warum gerade jetzt?
Autor: Sabine Glaubitz, dpa
, Sonntag, 01. März 2026
Während Romantik im Kino lange belächelt wurde, kehrt sie nun mit Wucht zurück – düster, leidenschaftlich, voller Sehnsucht. Nicht nur Happy Ends zählen, sondern der Drang, wieder intensiv zu fühlen.
Sie stehen einander gegenüber, erstarrt zwischen Wut und Verlangen. Schmachtende Worte, Blicke, die verletzen. In «Wuthering Heights – Sturmhöhe» gerät Liebe an ihre emotionalen, körperlichen und sozialen Grenzen. Mit dem Film hat Emerald Fennell («Saltburn») ein romantisches Kino-Highlight des Jahres geschaffen: Liebe zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung.
Die Geschichte von Catherine und Heathcliff ist alt und oft gelesen – und doch wieder hochaktuell. Der Film ist eine Neuadaptation des Klassikers von Emily Brontë. Der Kinostart vor wenigen Wochen und der internationale Publikumserfolg zeigen, wie groß die Sehnsucht nach intensiven, innerlich zerrissenen Liebesgeschichten ist.
Romantik in allen Spielarten
Von den Klassikern der Literaturverfilmung bis zu Streaming-Hits zeigt sich der aktuelle Romance-Boom auf allen Ebenen der Leinwand.
Während «Wuthering Heights – Sturmhöhe» von obsessiver, fast schon brutaler Leidenschaft handelt, rückt «All of You» nicht erfüllte Sehnsucht ins Zentrum – leiser, zurückhaltender, aber nicht minder schmerzhaft. «Maya & Samar» erzählt von einer leidenschaftlich‑turbulenten Beziehung zwischen zwei Frauen, deren Begegnung nicht nur romantische Anziehung, sondern auch kulturelle Spannungen und persönliche Erwartungen freilegt.
Der Film feierte seine Weltpremiere in Thessaloniki; ein deutscher Kinostart ist noch offen.
Vom Kino zur Couch
Auch auf Streaming-Plattformen entfalten aktuelle Produktionen ihre ganz unterschiedlichen Facetten der modernen Romantik: «Sweethearts» erzählt leichte, humorvolle Friends-to-Lovers-Romantik für ein junges Publikum, «Heartstopper» zeigt die zarte, gefühlvolle Annäherung zweier Teenager und «Heated Rivalry» bringt intensive, queere Liebe zwischen Eishockey-Rivalen auf die Leinwand – gemeinsam spiegeln sie die Vielfalt des aktuellen Romantik-Trends wider, von leichtfüßig bis leidenschaftlich-dramatisch.
Von Hollywood bis Postmoderne
Historisch ist das nichts Neues. Die Romantik ist nie ganz verschwunden. Im 19. Jahrhundert war sie Gegenbewegung zur Rationalisierung der Welt. Im klassischen Hollywood wurde sie zum großen Melodram. Später, in der postmodernen Popkultur, erschien sie oft mit ironischem Unterton und beschränkte sich auf wenige Ausdrucksformen – bis sie fast bedeutungslos wirkte.