Die Maschine träumt vom «Rheingold»
Autor: Britta Schultejans, dpa
, Dienstag, 28. Juli 2026
Die Bayreuther Festspiele zeigen zum Jubiläum, was passiert, wenn eine KI sich das Bühnenbild zum «Rheingold» ausdenkt. Das sorgt für Irritationen.
Richard Wagners Musik ertönt - und eine Maschine spuckt aus, was ihr dazu so einfällt. Zu ihrem 150-jährigen Bestehen setzen die Bayreuther Festspiele auf Künstliche Intelligenz. Auf dem Jubiläumsspielplan steht ein vierteiliger «Ring des Nibelungen», der mit Hilfe einer eigens gebauten KI bebildert werden soll. Die Technik übernimmt dort, wo sonst die Kunst herrschte. Große Teile des Publikums gehen da aber nicht mit.
Bei der Premiere der ersten Episode des Bayreuther Jubiläums-«Rings» am Montagabend gibt es nur sehr gemischte Reaktionen. Es hagelt viele und laute Buh-Rufe, Applaus gibt es aber auch, nachdem die KI zweieinhalb Stunden lang wilde Assoziationen zu Rheintöchtern, Gold, Ring, Zwergen, Göttern und der Bayreuther Aufführungsgeschichte in den Zuschauerraum geworfen hat.
Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, der diesen KI-Ring auf die Bühne bringt, ist bei den Bayreuther Festspielen nicht als Regisseur aufgeführt. Sondern als Kurator, verantwortlich für die «künstlerisch-technische Konzeption».
«Wir spielen das Werk, wie es ist»
«Die Maßgabe war: Wir spielen das Werk, wie es ist», sagt der 60-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor der Premiere. «Es gibt auch keinerlei Eingriffe dort hinein. Warum auch? Es ist ja ganz gut so geraten. Und nichtsdestotrotz war die Frage der Festspiele nach dem Augmented-Reality-Brillen-"Parsifal": Wie kann man weiter mit neuer Technologie am Haus arbeiten?»
Das sieht nun so aus, dass Lobbes und sein Team eine KI entwickelt und mit Informationen zu Wagners vierteiliger Oper, zur Geschichte der Bayreuther Festspiele und zur Zeitgeschichte gefüttert haben. «Wir haben angefangen, verschiedene sogenannte KI-Modelle zu trainieren mit dem Libretto, mit Musik, mit Zeitgeschichte, mit Bildmaterial, aber auch mit dramaturgischer Reflexion.»
Jeder Aufzug in jeder der vier Opern vom «Rheingold» über die «Walküre» und den «Siegfried» zur «Götterdämmerung» werde zwar mit einem konkreten, festgelegten Bild gestartet. Doch dann folgen «Drei-Minuten-Slots mit Gedanken dazu, Assoziationen, Bildwelten und musikalischen Welten», die mit Hilfe von sechs Projektoren gezeigt werden. Dabei greift die KI nicht auf das Internet zu, sondern nur auf die von Lobbes und seinem Team ausgewählten Informationen - «weil dann käme wirklich nur Unfug bei raus».
«Wie die Maschine träumt»
Was stattdessen dabei rauskommt, kann bei jeder weiteren Aufführung anders ausfallen. Bei der Premiere wird beispielsweise eine Felslandschaft eingeblendet, wenn es nach Walhall geht. Immer wieder werden verzerrte Figuren gezeigt, die aus Körperteilen entstehen oder zu ihnen werden, Blumen sind zu sehen, Höhlen, Unterwasserwelten - oder Bilder, die an alte Bayreuther «Ring»-Inszenierungen erinnern. So sitzen einige der Zerrbilder - wie bei der Interpretation von Frank Castorf - in Liegestühlen.