Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?
Autor: Jonas-Erik Schmidt, dpa
, Donnerstag, 22. Januar 2026
Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?
Man könnte meinen, dass nach mehr als 20 Jahren auf Sendung alles rund um das RTL-Dschungelcamp durchdiskutiert ist. Doch die Liste der Promis, die der Sender am Freitag (23. Januar, 20.15 Uhr) ans australische Lagerfeuer schickt, beweist das Gegenteil: Selten wurde ein Cast so intensiv diskutiert wie in diesem Jahr. Warum ist das so? Hier ein Beipackzettel zur Meinungsbildung – mitsamt Einschätzungen von Ex-Campern.
Der Reiz-Kandidat
Für die einen ist Musiker Gil Ofarim (43) ein rotes Tuch – für die anderen der logischste Dschungelcamper aller Zeiten. 2021 erhob der Sänger Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Hotelmitarbeiter. Der Mann habe ihn aufgefordert, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Später gestand Ofarim aber vor Gericht, dass er die Vorwürfe erfunden habe, und entschuldigte sich. Das Verfahren wurde eingestellt. Als Auflage musste er 10.000 Euro zahlen.
Für das Reality-TV ist das eigentlich eine Konstellation, wie sie schöner nicht sein könnte. Nach der juristischen Bewertung kann nun die moralische vor Kameras folgen. In Trash-TV-Formaten geht es seit jeher um soziale Anerkennung – auch wenn es die Teilnehmer meist weniger akademisch ausdrücken. Wer darf noch mitreden? Wer gehört ausgegrenzt? Ofarims Fall eignet sich perfekt für eine Art Scherbengericht zwischen Kakerlaken und Plumpsklo. Schauspieler Hardy Krüger jr., ebenfalls Kandidat, kündigte im Gespräch mit RTL schon mal an, Ofarim bei dem Thema nicht vom Haken lassen zu wollen. «Da will ich einfach auch eine ehrliche Antwort», betonte er.
Nur: Nicht alle Zuschauer scheinen bei der gesellschaftlichen Nachverhandlung mitmachen zu wollen. Als RTL Ofarims Teilnahme bestätigte, gaben einige User in den sozialen Netzwerken Boykott-Erklärungen ab. «Ok, die erste Staffel, die ich nicht gucken werde. Gil ist für mich einfach nicht tragbar mit dem, was er getan hat», schreibt unter anderem eine Userin. RTL hielt dagegen, dass sich der Musiker juristisch verantwortet habe. Und Markus Küttner, Unterhaltungschef des Senders, betonte in einem Interview mit «TV Digital», dass Ofarim «mehr als die Schlagzeilen der letzten Jahre» sei. Tatsächlich habe man ihn schon vor zehn Jahren erstmals angefragt – als «spannende Persönlichkeit».
Ofarim selbst sagte RTL, dass er ins Dschungelcamp gehe, um sich «etwas zu beweisen und dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung über mich zu bilden.» An Meinungen wird es gewiss nicht mangeln. Aber ob Ofarims Geschichte zu Unterhaltung oder doch eher zu Überforderung führt – das ist noch offen.
Der Reality-Krawall
Oft werden Konfliktlinien bei «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» bereits über die Auswahl der Kandidaten leise angelegt – etwa, wenn man zwei konfliktaffine Figuren wie den Ex-Fußballer Thorsten Legat und die Doku-Soap-Reizfigur Helena Fürst in ein Camp steckt. Dann scheppert er irgendwann und der eine (Legat) nennt die andere (Fürst) «Furzfrau» (Staffel 10). Es geht aber auch weitaus weniger leise – wie bei der Verpflichtung der beiden Reality-Sternchen Samira Yavuz und Eva Benetatou für die neue Staffel.
Wer nicht ganz so tief in den Reality-Kosmos vorgedrungen ist – und es auch nicht vorhat –, muss wissen: Samira Yavuz war früher mit Serkan Yavuz zusammen, ebenfalls Veteran des Genres. Man trennte sich – was bei Paaren vorkommt. Die dramataugliche Würze kam hinzu, als sich Eva Benetatou äußerte und auf Instagram erklärte, «eine einmalige intime Begegnung» (RTL.de) mit Serkan gehabt zu haben. Er selbst gab später zu, dass der Seitensprung in eine Zeit gefallen sei, in der Samira mit dem zweiten gemeinsamen Kind schwanger war.