Der Hype ums Einhorn: Zwischen Mythologie und Schokolade
Autor: Magdalena Henkel und Alina Schmidt, dpa
, Donnerstag, 23. Oktober 2025
Schon vor 4000 Jahren verehrt, ist das Einhorn bis heute ein populäres Symbol – warum fasziniert ein Wesen, das niemand je gesehen hat, noch immer so sehr?
Dem Einhorn ist im Alltag kaum zu entkommen. Es begegnet uns als Schlüsselanhänger, gedruckt auf Shirts oder in Form von Süßigkeiten. Obwohl das Fabeltier den Menschen schon seit Jahrtausenden begleitet, hat es seinen Glanz noch immer nicht verloren. Aber warum nicht?
«Die Sehnsucht nach etwas, das Hoffnung, Reinheit oder Magie verkörpert, ist einfach da. Und das Einhorn trifft genau diesen Nerv», erklärt die Wirtschaftspsychologin Doreen Ullrich im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Für Kinder seien sie beinahe wie ein Schutzwesen, für Erwachsene ein Glücksanker. «Sie berühren etwas, das in uns bleibt, auch wenn wir längst erwachsen sind.» Für Ullrich sei das Einhorn mehr als Kitsch: «Das ist gelebte Symbolik.»
Überdauernder Hype
Seinen Weg in die Popkultur, insbesondere in Filme und Serien, findet das Einhorn in den 1980er-Jahren. Mit «Das letzte Einhorn» erscheint 1982 einer der bekanntesten Zeichentrickfilme. Die Faszination brach seitdem nicht ab - im Gegenteil. Große Marken wie Katjes, Ritter Sport oder Starbucks bringen Einhorn-Produkte auf den Markt. Das Videospiel Fortnite setzt ebenfalls auf das Fabeltier.
Während Verpackungen sich dem Zeitgeist anpassten, sei das Entscheidende bei Einhorn-Produkten nicht die Farbe oder das Funkeln, sondern die Magie dahinter, findet Ullrich. Weil das Pferd mit Horn die Menschen berühre, funktioniere es so gut im Marketing. Dabei würde sie das mythische Tier nicht als Trend bezeichnen - im Gegensatz zu Avocados oder Otter. «Es ist kein Trendtier, sondern ein Symbol», betont die Wirtschaftspsychologin: «die Erinnerung, dass es noch Magie gibt.»
Die am Samstag startende Ausstellung «Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst» im Potsdamer Museum Barberini umfasst beinahe 150 Werke, die sich allein um das magische Pferd drehen. Wie kann es sein, dass ein Tier, das nie jemand in der Realität gesehen hat, so oft dargestellt wird? Und woher kommt das Fabelwesen? Diese Fragen sollen vor Ort untersucht und dokumentiert werden, sagt Chefkurator des Barberini, Michael Philipp.
Die Ursprünge des Einhorns
Die frühesten Darstellungen des Einhorns stammen aus der Indus-Kultur rund 2.000 vor Christus, im heutigen Pakistan und Teilen Indiens sowie Afghanistans. Es gibt Philipp zufolge viele kleine Siegelsteine, auf denen ein Einhorn abgebildet ist. Die Bedeutung sei jedoch nicht bekannt. Solch ein Siegelstein wird im Barberini zu sehen sein und ist mit rund 4.000 Jahren das älteste Stück der Ausstellung.
Unter anderem aus dem alten Persien rund 1.000 vor Christus und aus China etwa 200 vor Christus gibt es ebenfalls Darstellungen. Somit erscheint das Einhorn in der Geschichte und der Kunst zuerst in Asien, lange bevor es in Europa ankommt.