Der große Romantiker: Bruno Mars ist der König des Soul
Autor: Philip Dethlefs, dpa
, Freitag, 27. Februar 2026
Fast ein Jahrzehnt ist seit dem letzten Studioalbum von Bruno Mars vergangen. Das Warten hat sich gelohnt. Mit «The Romantic» zeigt der 40-Jährige, dass er weiter in einer eigenen Liga spielt.
Er hat sich lange Zeit gelassen. Fast zehn Jahre liegt das letzte Soloalbum von Bruno Mars, das geniale «24K Magic» zurück. Nicht, dass er in der Zwischenzeit untätig gewesen wäre. Da waren sein Projekt Silk Sonic mit Anderson Paak, das nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekam, und gemeinsame Singles mit Lady Gaga («Die With A Smile») oder Blackpink-Sängerin Rosé (der Ohrwurm «APT»). Jetzt aber kehrt Mars endlich mit seinem vierten eigenen Studioalbum zurück.
Auf «The Romantic» huldigt der 40-Jährige unüberhörbar seinen musikalischen Idolen und wird dabei - der Titel lässt es erahnen - sehr romantisch. Auf «24K Magic» wehte ein Hauch der 80er und frühen 90er Jahre. Mit «The Romantic» taucht Bruno Mars tief in die goldene musikalische Ära der 70er Jahre ein - inklusive der passenden Schlaghosen und Maßanzüge in Creme-Farben.
Unverkennbarer Mars-Sound und 70er-Jahre-Flair
Dass er ein großartiges Gespür für Hits hat, ohne sich an Trends zu orientieren, bewies der gebürtige Hawaiianer mit der begnadeten Stimme jüngst erneut. Die im Januar veröffentlichte Leadsingle «I Just Might» toppte direkt wieder die US-amerikanischen Billboard Hot 100. Es ist der unverkennbare Mars-Sound: ein tanzbarer Rhythmus, funky Gitarren, seine markante Stimme und ein Refrain, der sofort im Ohr bleibt und gute Laune macht.
In Zeiten, in denen manche Songschreiber ihre Musik auf den Spotify-Algorithmus auslegen und den Refrain so früh wie möglich platzieren, beginnt Mars sein Album mit Mariachi-Trompeten und sanft mit Schlagzeugbesen gestrichenen Trommeln. «Risk It All» ist eine wunderbar kitschige Ballade mit lateinamerikanischem Einfluss. Das erinnert an Ikonen wie José José, Julio Iglesias und besonders Marc Anthony. Nach «Marry You» wieder ein Mars-Song, wie gemacht für Hochzeitsvideos.
Songs wie «Cha Cha Cha», «God Was Showing Off» oder «Why You Wanna Fight?» zelebrieren mit Streichern und Trompeten den legendären Philly Soul. Es war die Zeit der O'Jays, der Stylistics oder der Delfonics. Mars wird gesanglich von den Hooligans begleitet, einer Gruppe von guten Freunden, die Background-Chor und Tänzer sind.
Charmant und mit einem Augenzwinkern
«Got my lemon pepper steppers on, ooh girl, you’re in trouble tonight» (sinngemäß: «Ich hab meine scharfen Treter an – ooh Mädchen, heute Abend wird's gefährlich für dich») singt Mars in «Cha Cha Cha». Und er steigert das noch. «Oh, you little earth angel, The way you're put together, only God can do» («Oh, du kleiner Engel auf Erden, so vollkommen wie du gemacht bist, das kann nur Gott.») heißt es in «God Was Showing Off».
Solche Zeilen können nur wenige Künstler singen, ohne dass es schmalzig oder gar zum Schämen klingt. Aber Mars liefert sie mit einem Augenzwinkern ab und singt sie dermaßen charmant, dass dieser offensichtlich übertriebene Kitsch perfekt funktioniert. «Cha Cha Cha» erreicht seinen Höhepunkt in einem rasanten Disco-Finale.