Der berühmteste Incel der Filmgeschichte
Autor: Gregor Tholl, dpa
, Montag, 20. April 2026
Jubiläum: Vor 50 Jahren schockierte das Scorsese-Werk «Taxi Driver» mit Robert De Niro und Jodie Foster. Warum dieser Höhepunkt des New-Hollywood-Kinos heute noch sehenswert ist.
Ein psychisch labiler Vietnam-Veteran arbeitet nachts als Taxifahrer in New York. Er nimmt die Stadt voller «Abschaum» wahr und würde sie gern «säubern». So ließe sich der Film «Taxi Driver» knapp zusammenfassen, der im Mai 1976 in Cannes die Goldene Palme gewann.
Das legendäre Psychodrama wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Regie führte Martin Scorsese (damals 33 Jahre alt), die Hauptrolle spielte Robert De Niro (damals 32).
Nach heute teils geltenden Maßstäben müsste der Film wohl gecancelt werden. Er bildet Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit ab. Das N-Wort wird benutzt, Kinderprostitution wird gezeigt, das ist alles recht gewagt.
Doch der düstere Großstadtfilm kann trotz seiner Verankerung in den 1970er Jahren als zeitloses Meisterwerk gelten.
Darum geht es in dem Film
«Taxi Driver» zeichnet das Porträt von Travis Bickle (De Niro). Aus heutiger Sicht ist das Werk Kulturkampf-Kino. Ein einsamer Wolf macht mobil gegen «die da oben». Erzählt wird von destruktiver - heute würde man sagen: toxischer - Männlichkeit. Es ist eine Studie über Einsamkeit und die Suche nach Erlösung.
Warum der Film noch heute aktuell erscheint
Die im Film gezeigten gesellschaftlichen Gräben in den USA sind heute wohl noch größer und dürften für viele Länder gelten. Damals waren die Vereinigten Staaten durch den Vietnamkrieg und Richard Nixons Präsidentschaft polarisiert, heute scheinen sie es unter Donald Trump mehr denn je durch unterschiedliche Sichtweisen auf Themen wie Kriminalität und Sexualität. Menschen wie Bickle fühlen sich machtlos und entfremdet, verstehen die Welt nicht mehr.