Demo in Hamburg mit Collien Fernandes: Protest für mehr Schutz vor Gewalt an Frauen
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Hamburg, Freitag, 27. März 2026
Tausende Menschen demonstrieren in Hamburg gegen Gewalt an Frauen. Auch prominente Frauen wie Collien Fernandes und Luisa Neubauer unterstützen die Bewegung und berichten von ihren Erfahrungen.
Zahlreiche Menschen haben bei einer Protestveranstaltung in Hamburg verstärkten Schutz für Opfer von Gewalt gegen Frauen gefordert. "Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln", war auf Schildern zu lesen. Unerwartet trat am Donnerstagabend (26. März 2026) die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes als Rednerin auf. Die Aktion auf dem Rathausmarkt wurde unter anderem von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Kolumnistin Alexandra Zykunov unterstützt.
Warum hatte Fernandes ihren Auftritt ursprünglich abgesagt? "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste, Polizeischutz und Security, weil ich Morddrohungen erhalte", sagte Fernandes, deren Stimme während ihrer etwa dreieinhalbminütigen Rede mehrfach stockte. "Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht aufbringen, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan."
"Es reicht!": Demo in Hamburg will deutliches Zeichen setzen
Immer wieder brandete bei der kurzen Rede lauter Beifall auf. "Danke Collien", stand auf dem Pappschild einer Demonstrantin.
In der vergangenen Woche fanden Demonstrationen gegen Gewalt an Frauen in verschiedenen deutschen Städten statt. Hintergrund der aktuellen Diskussion über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte.
Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".
"Jeder kennt ein Opfer, keiner kennt einen Täter"
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo zeigten sich empört und betroffen. Sie kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein bedeutendes Thema sei und keineswegs abgenommen habe. Auf Schildern forderten sie zum Beispiel "Die Scham muss die Seite wechseln" oder "Jeder kennt ein Opfer, keiner kennt einen Täter". Lena Jensen ist Influencerin und selbst von Gewalt betroffen. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir brauchen Änderungen im Strafrecht, wir brauchen Hilfe für Betroffene. Das ist ein strukturelles Problem, die Liste ist lang."
Die Kundgebung trug den Titel "Es reicht". Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Initiativen, die sich laut eigenen Angaben gegen Gewalt an Frauen einsetzen. Die Stimmung war kämpferisch und von Solidarität mit Betroffenen geprägt. Redebeiträge gab es unter anderem auch von Aktivistin Luisa Neubauer und Kolumnistin Alexandra Zykunov. Auch Musikerinnen traten auf.