Bye-bye, Bingewatching? Streamer setzen wieder aufs Warten
Autor: Thomas Bremser, dpa
, Donnerstag, 16. April 2026
Wöchentliche Spannung statt Serienmarathon: Streamingdienste bremsen den Serienrausch aus – und setzen auf mehr Gesprächsstoff im Netz. Was steckt hinter diesem Trend?
Jahrzehntelang sitzen Serienfans fluchend auf der Couch: Auf dem Bildschirm steigt die Spannung, die Charaktere sind kurz davor, sich endlich zu küssen, zu trennen oder ermordet zu werden - und dann läuft der Abspann. Eine Woche warten, bis zur nächsten Folge «Dallas», «Lindenstraße» oder «Game of Thrones».
Doch dann beenden Streamingdienste wie Netflix, Prime Video oder Disney+ diesen Cliffhanger-Stress. Sie stellen alle Folgen gleichzeitig online – und lösen damit eine neue Form des Konsums aus: das sogenannte Bingewatching.
Doch immer mehr Anbieter verabschieden sich wieder von diesem Prinzip. Statt ganzer Staffeln gibt es nun wieder wöchentliche Folgen oder geteilte Staffelteile. Hat das Serienmarathon-Schauen ausgedient?
Bingewatching (auch Binge-Watching geschrieben, «binge» heißt auf Deutsch: Gelage) beschreibt das durchgehende Anschauen mehrerer Episoden oder ganzer Staffeln am Stück – oft in einer Nacht oder an einem Wochenende. Die Nutzerinnen und Nutzer tauchen komplett in die Serienwelt ein, das nächste Kapitel liegt nur einen Klick entfernt.
Streaming als «Schlaraffenland» für Serienfans
Marcus S. Kleiner, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der SRH University of Applied Sciences in Berlin, erinnert sich: «Es war die große Idee des Streamings: Ich kann etwas schauen, egal wo ich bin, wie spät es ist und so viel ich will. Also ein digitales Schlaraffenland. Es ging um meine Interessen, meine Bedürfnisse, meine Individualität.»
Seinen Höhepunkt erreicht das Phänomen in der Corona-Pandemie. Durch Serien wie «Squid Game», «Bridgerton» oder «Das Damengambit» sind 2020 und 2021 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer gleichzeitig online – oft tagelang.
«Im Fernsehen musste ich eine Woche warten bis zur nächsten Folge. Bei den Streamern hatte ich die Möglichkeit, alle Folgen einer Serie an einem Wochenende zu schauen», sagt Kleiner. «Danach bin ich in ein Loch gefallen und wurde direkt wieder rausgeholt, weil die nächste Serie schon auf mich wartet.» Das habe das Nutzungsverhalten stark geprägt.