«Matisse der Pop Art»: Britischer Maler David Hockney tot
Autor: Patricia Bartos und Christoph Meyer, dpa
, Freitag, 12. Juni 2026
Er galt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Seine Motive waren Alltagssituationen der modernen Konsumgesellschaft. Nun starb David Hockney im Alter von 88 Jahren.
Kaum ein Künstler verkörperte den Wandel des Lebensgefühls der westlichen Gesellschaften nach dem Zweiten Weltkrieg besser als David Hockney. Nun ist der legendäre britische Maler kurz vor seinem 89. Geburtstag gestorben. Mit seinen von einem Spiel aus kräftigen Farben und Licht geprägten Gemälden wurde er zu einem der einflussreichsten Maler des 20. und des 21. Jahrhunderts.
Der britische «Guardian» würdigte Hockney gar als «Matisse der Pop Art». Im Nachruf der Zeitung hieß es: «Er hat die simple Perfektion der Beatles - so wie sie den Klang der modernen Welt einfingen, fing er ihr Aussehen ein.» Er habe sich dem Trend zur Abstraktion seiner Zeitgenossen widersetzt und kompromisslos die Realität abgebildet. Seine Motive waren oft die Alltagsszenen der Konsumgesellschaft.
Hockney starb friedlich in seinem Zuhause, wie sein Management mitteilte. Er sei «eine der wichtigsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst» hieß es in einer Würdigung. «David Hockneys bleibendes Vermächtnis spiegelt seine grundlegende Lebensfreude, seinen herausragenden Sinn für Humor, seine immense Großzügigkeit und seine forschende Neugierde wider», so die Mitteilung weiter.
Aufgewachsen in den Nachkriegsjahren
Geboren wurde Hockney am 9. Juli 1937 im nordenglischen Bradford. Seine Kindheit war von den Hungerjahren der Nachkriegszeit geprägt - und schon damals von der Kunst. Der spätere Star zeichnete überall: auf alten Bustickets, Zeitungen und selbst auf Deckblättern im Gebetsbuch. Einzig auf die Tapeten durfte er nicht malen, das verbot ihm seine Mutter.
Sein Vater war radikaler Nichtraucher, was an Hockney jedoch abprallte. Selbst im hohen Alter sah man den Künstler immer mit einer Zigarette zwischen den Fingern. Sogar gegen Anti-Raucher-Gesetze engagierte er sich. Im Jahr 2007 wurden laut PA bei der Feier zu seinem 70. Geburtstag im berühmten Tate Britain sogar für einige Minuten die Rauchmelder ausgeschaltet, um dem berühmten Gast eine Zigarette zu ermöglichen.
Seit den 60er Jahren lebte der Brite abwechselnd in Großbritannien und in Los Angeles. Dort verbrachte er seine Zeit in seinem Haus mit der blauen Terrasse und den roten Blumentöpfen, das er in vielen Bildern verewigte.
Kalifornien bot ihm privat wie als Maler ungewohnte Freiheiten. Hockney malte mit Licht und starken Farben. Seine Schwimmbadbilder spiegelten die sorglose und unkonventionelle kalifornische Lebensart wider, darunter etwa das Gemälde «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» von 1972 oder «Peter Getting Out of Nick's Pool» von 1966. Eines seiner Gemälde brach 2018 bei einer Auktion den Rekord für einen noch lebenden Künstler und wurde für mehr als 90 Millionen US-Dollar versteigert.