Eine Frau, zwei Karrieren. Glenda Jackson war nicht nur eine preisgekrönte Schauspielerin, sondern saß auch lang für die Labour-Partei im britischen Parlament. Nun ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.
Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte Glenda Jackson dem Filmgeschäft den Rücken gekehrt und sich der Politik gewidmet, bis sie vor einigen Jahren ihr überraschendes Comeback als Schauspielerin gab. Die Premiere ihres letzten Filmprojekts «The Great Escaper» erlebt Glenda Jackson nicht mehr mit. Die zweifache Oscar-Preisträgerin und ehemalige Abgeordnete des britischen Unterhauses starb am Donnerstag nach kurzer Krankheit im Alter von 87 Jahren in London. Das teilte ihr Agent der Nachrichtenagentur PA mit.
Glenda Jackson zählte zu den profiliertesten Schauspielerinnen Großbritanniens und war vor allem in den 1970er Jahren einer der gefragtesten Stars in Hollywood. Ihre Rolle in dem Drama «Liebende Frauen» brachte der versierten Charakterdarstellerin 1971 einen Oscar als beste Hauptdarstellerin ein. Drei Jahre später erhielt sie ihren zweiten Academy Award für die romantische Komödie «Mann, bist du Klasse!».
Mitglied der Royal Shakespeare Company
Zuvor hatte die Britin, die 1936 als Glenda May Jackson in Birkenhead im Nordwesten Englands geboren wurde, am Theater und bald darauf mit kleineren Film- und Fernsehrollen auf sich aufmerksam gemacht. Mit 16 hatte sie die Schule verlassen und war nach London gezogen, wo sie ein Stipendium an der Londoner Royal Academy of Dramatic Art ergatterte. 1957 gab sie ihr Bühnendebüt, ab 1964 gehörte Jackson mehrere Jahre zum Ensemble der berühmten Royal Shakespeare Company.
Nach dem Durchbruch in Hollywood wurden die 70er Jahre zu Jacksons Jahrzehnt. Insgesamt viermal war sie in dieser Zeit als beste Hauptdarstellerin bei den Oscars nominiert. Nicht ein einziges Mal wohnte die vielbeschäftigte Britin der glamourösen Zeremonie in Los Angeles bei. «Ich hab immer gearbeitet», sagte sie dem Magazin «Entertainment Weekly». Die Oscars seien ohnehin «nicht so wichtig, wie alle denken». «Man spielt nicht, um einen Preis zu bekommen. Ich habe (die Oscars) nicht gewonnen. Man hat sie mir gegeben.»
Darüberhinaus erhielt Jackson, die auch am Broadway gefeiert wurde, unter anderem einen Golden Globe, drei Emmys und einen Tony Award. Direkt nach ihrem Schauspiel-Comeback im TV-Drama «Elizabeth Is Missing», in dem sie eine an Alzheimer erkrankte Frau spielt, wurde sie 2020 bei den Bafta TV Awards als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. «Wir müssen als Gesellschaft dafür sorgen, dass Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, gut versorgt werden», mahnte sie in ihrer Dankesrede. Zeitlebens engagierte sie sich für soziale Belange.
Ihre Ehe mit dem Politikberater Roy Hodges, aus der 1969 der gemeinsame Sohn Dan hervorging, ging 1976 nach rund 20 Jahren in die Brüche. Jackson heiratete nie wieder. Stattdessen widmete sie sich mit Leidenschaft ihrem Job. Sie sei in ihrer Jugend mit einer starken Arbeitsmoral gesegnet worden, sagte sie. «Wer nicht gearbeitet hat, hat auch nicht gegessen».
Kritik an der «Eisernen Lady»
Neben der Schauspielerei war die Politik Jacksons große Leidenschaft, womöglich sogar die größere. Mit Mitte 50 beendete Jackson ihre Karriere als Schauspielerin, um bei den Parlamentswahlen 1992 für die Labour-Partie zu kandidieren. Mit Erfolg. Sie zog ins Unterhaus ein, wo sie als scharfe Kritikerin des politischen Vermächtnisses von Margaret Thatcher und der Konservativen auffiel.