Blond oder schwarz: Debatte über die schöne Helena
Autor: Sebastian Fischer, dpa
, Donnerstag, 05. Februar 2026
Weit bevor Christopher Nolans «Odyssee»-Verfilmung in die Kinos kommt, verbreitet sich giftige Kritik an seiner Besetzung der Helena. Doch Lupita Nyong'o wäre nicht die erste Schwarze in der Rolle.
Am besten wäre es wohl: Starregisseur Christopher Nolan (55) findet eine Schauspielerin, die auch im wahren Leben aus einem Ei geschlüpft ist, nachdem ein Gott in Gestalt eines Schwans ihre Mutter geschwängert hatte. Klingt ambitioniert. Doch der eigentliche Mythos um Helena geht tatsächlich so.
Aktuell gibt es im Netz nämlich eine hitzige bis vergiftete Diskussion über die Werktreue in Nolans Verfilmung von Homers «Odyssee». Dabei geht es nicht etwa um die mittelalterlich anmutende Kleidung oder eine futuristische Rüstung im Trailer, die aussieht, als sei über Batman ein Antike-Filter gelegt worden.
Woran sich die Aufregung stattdessen entspinnt: an der Besetzung einer schwarzen Frau, die möglicherweise die schöne Helena spielen könnte. Weil die US-Kenianerin Lupita Nyong'o (42) Teil des Casts ist, schießen aus rechten Ecken Hass-Kommentare gegen die Oscar-Gewinnerin («12 Years a Slave»).
Tech-Milliardär Elon Musk (54) ätzte jüngst gegen den Regisseur, dessen Film Mitte Juli ins Kino kommt: Nolan habe «seinen Anstand verloren» - anscheinend weil er es wagen könnte, die dem Mythos nach schönste Sterbliche ihrer Zeit nicht mit einer weißen und blonden Frau zu besetzen, wie es etwa im Blockbuster «Troja» (2004) mit der Deutschen Diane Kruger (49) der Fall war.
Forscherin: Diskussion ist «eindeutig rassistisch»
«Es ist unwahrscheinlich, dass Helena in der Vorstellung der Antike schwarz war», erklärt die Professorin für Klassische Philologie an der Universität Potsdam, Katharina Wesselmann. «Aber wirklich genauso unwahrscheinlich ist es, dass sie so blond war wie Diane Kruger.» Nach Wesselmanns Ansicht ist die aktuelle Diskussion um Nyong'o «eindeutig rassistisch und auch uninformiert» - zumal frühere weiß-blonde Besetzungen kaum kritisiert worden seien.
Ethnische Debatten auch bei anderen Filmen
Dass sich ein Film dem Vorwurf ausgesetzt sieht, seine literarische Vorlage nicht adäquat umzusetzen, ist bei weitem nicht neu. Besonders herablassend aber wird in letzter Zeit kommentiert, wenn Schwarze oder andere People of Colour Figuren darstellen, die sich vielen als vermeintlich Weiße ins Gedächtnis gebrannt haben.
Zuletzt etwa gab es rassistische Hetze auch gegen Neuverfilmungen von Disney-Klassikern, weil die Hauptfiguren von einer schwarzen US-Sängerin (Halle Bailey in «Arielle»), mal von einer US-Amerikanerin mit lateinamerikanischen Wurzeln (Rachel Zegler in «Schneewittchen») gespielt wurden.