Außenseiter-Storys, Leiden und Jubeln: Sport im Film
Autor: Jens Marx, dpa
, Donnerstag, 16. April 2026
Warum sind Sportfilme und -serien derzeit so angesagt? Ein Experte gibt Antworten. Es hat auch etwas mit Nostalgie zu tun. Und dem, was Sport und Film vereint.
Brad Pitt machte die größte Kasse als Formel-1-Pilot. Ein Film über einen New Yorker Schuhverkäufer, der von der Weltkarriere als Tischtennis-Spieler träumt, heimste neun Oscar-Nominierungen ein. «Ein Sommer in Italien - WM 1990» (bei Sky/Wow ab 15. Mai) bringt die Fans auf eine Fußball-Zeitreise. Sport im Film, Sport in Serien – Fiktion oder Realität – scheinen mehr denn je im Trend zu liegen.
Noch in diesem Jahr wird bei Netflix eine neue Dokumentation über Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher erwartet. Am heutigen 16. April startet beim US-Streamingdienst die Mini-Serie «Ronaldinho: The One and Only» über den fußballgenialen ehemaligen Superstar aus Brasilien.
Was macht den Reiz von Sport im Film aus?
Sportfilme oder auch Sportserien haben in den vergangenen zwei bis drei Dekaden einen Aufschwung erlebt, wie der Filmwissenschaftler Oliver Fahle von der Ruhr-Universität Bochum erklärt: «Vorher waren sie ein randständiges Genre.»
Der Reiz bestehe wohl darin, mehr mediale Teilhabe an den Stars und dem Sport herzustellen, der einen selbst durch die mediale Inszenierung fasziniere. «Außerdem hat der Sport mit seiner Struktur aus Emotion und Anspannung, Wettkampf, Konkurrenz, Sieg und Niederlage, Höhe- und Tiefpunkt, Champion und Verlierer eine gewisse Ähnlichkeit zu filmischen Inszenierungen», sagt Fahle.
Ex-Tischtennis-Star: Sportler liefern fesselnde Storys
Das fasziniert das Publikum ebenso wie Schauspieler, Regisseure und auch die Sportler selbst. Für einen echten Spielfilm reiche es bei seiner eigenen Karriere wahrscheinlich nicht, sagt der deutsche Ex-Weltklasse-Tischtennisspieler Timo Boll mit einem Lachen. Für eine kleine Nebenrolle bei «Marty Supreme» mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle schon.
Boll verkörpert einen der Gegenspieler des Protagonisten Marty Mauser, der in New York in den 1950er Jahren von der großen Sportkarriere träumt – inspiriert wurde der Film durch die Lebensgeschichte des sportlich hochbegabten Marty Reisman, der allerdings auch einen ausgeprägten Hang zum Zocken hatte. Die Geschichte von Marty sei stark fiktional und sein Leben extrem ausgeschmückt worden, erklärt Boll: «Aber Sportler liefern eben häufig fesselnde Storys.»
Die Besonderheit des Sports
Der agonale Charakter des Sports – der Wettkampf, das Sich-gegenseitig-messen – birgt automatisch Rivalität. Favorit gegen Außenseiter, Publikumsliebling gegen Buhmann, Jung gegen Alt. Protagonist und Antagonist sind die Hauptrollen des Sports. Sportler scheitern, sie stehen auf und kommen zurück, sie liefern Dramen. Und Dramen sind Emotionen.