Wie sich das endlose Scrollen auf Jugendliche auswirkt
Autor: Larissa Schwedes, dpa
, Montag, 16. Februar 2026
Schlafmangel, Selbstzweifel, Cybermobbing: Social Media kann besonders für junge Menschen zum Problem werden. Was die Forschung dazu weiß.
Sind Tiktok, Instagram und Co. ähnlich gefährlich wie Alkohol oder Tabak? Diese Frage bringt derzeit in den USA Meta und Google vor Gericht, in der EU Tiktok in Bedrängnis und in der Bundespolitik deutsche Schulhöfe in den Fokus. Die CDU will auf ihrem Parteitag in dieser Woche über bundesweit strengere Handy-Regeln an Schulen debattieren. Die Forschung beschäftigt sich schon seit längerem mit der Frage: Welche Folgen hat es, wenn Kinder und Jugendliche große Teile ihres Tages mit Scrollen verbringen? Einige Erkenntnisse im Überblick.
Wie viel Zeit verbringen Jugendliche vor dem Handy?
Die kurze Antwort: viel. Die sogenannte JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest kam in ihrer Erhebung im vergangenen Jahr auf eine durchschnittliche Smartphone-Bildschirmzeit der 12- bis 19-Jährigen von knapp vier Stunden täglich.
Eine Untersuchung von DAK-Gesundheit und Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aus dem vergangenen Frühjahr kommt für Jugendliche im Alter von 10 bis 17 an einem Wochentag auf eine durchschnittliche Nutzung sozialer Medien von etwa zweieinhalb Stunden.
Ist das ein Problem?
Zunächst ganz banal: Während ich durch Tiktok scrolle, kann ich nicht zum Sport gehen, kein Instrument spielen und auch keine ungestörten Gespräche mit Freundinnen oder Freunden führen. Sprich: Je mehr Zeit für Social Media draufgeht, desto weniger Zeit bleibt für andere Dinge – nicht zuletzt fürs Schlafen. In der JIM-Studie berichten rund 30 Prozent der Jugendlichen, morgens oft müde zu sein, weil sie nachts noch zu lange am Handy hängen.
In einer niederländischen, im Fachjournal «Communication Research» veröffentlichten Langzeitstudie von 2021 gaben 28 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass sich ihr Wohlbefinden durch Social-Media-Nutzung verschlechtert – 26 Prozent erlebten allerdings demnach auch Verbesserungen.
Doch die Antwort ist noch vielschichtiger: Der Psychologin Isabel Brandhorst von der Universität Tübingen zufolge ist wissenschaftlich mittlerweile gut belegt, dass eine gesteigerte Nutzung von sozialen Medien und Smartphones, aber auch eine problematische Nutzung im Sinne einer suchtartigen Nutzung mit geringerem psychischem Wohlbefinden, mehr Schlafproblemen, mehr Depressionen, mehr Essstörungen und mehr Selbstverletzungen einhergeht. Allerdings stelle sich dabei immer die Frage: «Was ist Henne? Was ist Ei?» Langzeitstudien dazu seien weniger eindeutig.
Der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg von der Universität Paderborn weist darauf hin, dass der Zusammenhang von Social-Media-Nutzung und psychischen Problemen zwar recht gut erforscht sei, aber die signifikanten Effekte eher klein und vor allem einzelne, besonders verletzliche Gruppen betroffen seien. «Also das heißt, es betrifft nicht die Mehrheit, es ist auch nicht das Normale, sondern es betrifft einzelne vulnerable Gruppen und für die ist das natürlich dann ein Problem.»