Wie der Klimawandel Europas Stadtbewohnern zu schaffen macht
Autor: dpa
, Donnerstag, 10. Sept. 2026
Neue Infektionskrankheiten, mehr Allergien und häufiger Hitze: Das alles gehört zunehmend zum Alltag in Europas Städten, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Die Menschen in europäische Städten sind schon heute deutlich vom Klimawandel betroffen. So hat die hitzebedingte Sterblichkeit in den Städten im Zeitraum 2015 bis 2024 gegenüber dem Vergleichszeitraum 1991 bis 2000 im Durchschnitt um 82 Todesfälle pro eine Million Einwohner zugenommen. Zu diesen Ergebnissen kommt der «2026 Europe Cities Report» der Fachzeitschrift «The Lancet», den ein internationales Team um Cathryn Tonne und José Chen-Xu von ISGlobal in Barcelona erstellt hat.
Südeuropa war deutlich stärker betroffen. Deutsche Städte sind insbesondere vom vermehrten Auftreten allergischer Pollen und von Vibrio-Bakterien sowie von Baumverlust betroffen.
Zentrale Rolle der Städte
«Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels, indem sie Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen umsetzen, die widerstandsfähige und emissionsarme Gemeinschaften schaffen, die lokale Wirtschaft stärken und die Gesundheit der Bevölkerung verbessern», schreiben die Studienautoren. Sie verwendeten Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat), bereiteten die Daten auf und ergänzten sie um weitere Quellen. Mit 28 Indikatoren untersuchten sie die mit Blick auf die Gesundheit relevanten Klima-Entwicklungen der vergangenen Jahre in mehr als 800 europäischen Städten.
In fast allen – nämlich 98,7 Prozent – der untersuchten Städte ist die hitzebedingte Sterblichkeit von 2015 bis 2024 im Vergleich zu 1991 bis 2000 gestiegen. Während es in Westeuropa (mit Deutschland) durchschnittlich 64 zusätzliche Todesfälle pro eine Million Einwohner waren, ergaben die Berechnungen für Südeuropa 132 Todesfälle mehr – ein Anstieg um 161 Prozent.
Giftiger Rauch von Bränden
Die Anzahl der Tage, in denen Stadtbewohner dem giftigen Rauch von Flächenbränden ausgesetzt waren, hat von 2003 bis 2023 in knapp 10 Prozent der Städte zugenommen, in rund 4 Prozent der Städte aber auch abgenommen. Europaweit weist die Statistik einen Anstieg um sieben Prozent aus. Besonders betroffen vom Anstieg waren süd- und osteuropäische Städte.
Das wärmere Klima sorgt auch für einen Anstieg von Infektionskrankheiten, die bisher als Tropenkrankheiten galten, weil die übertragenden Mücken zunehmend in Europa heimisch werden. Insgesamt stieg das durchschnittliche Risiko einer Übertragung Dengue-Fiebers in europäischen Städten im Zeitraum 2015 bis 2024 um 111 Prozent im Vergleich zu den Jahren 1981 bis 2010 an. Der stärkste Anstieg war in osteuropäischen Städten zu verzeichnen (um 369 Prozent), gefolgt von Westeuropa (um 159 Prozent). Ähnliche Trends zeigten sich auch bei Chikungunya- und Zika-Viren.
Für Deutschland kommt die Untersuchung auf einen Anstieg der Übertragung von Vibrio-Bakterien, die keine Cholera auslösen, um 60 Prozent in den Jahren 2015 bis 2024 im Vergleich zu 1982 bis 2010. Diese Vibrionen sind üblicherweise in warmem Salzwasser zu finden, sodass Küstenstädte an Nord- und Ostsee davon betroffen sind. Dass die Vibrionen in diesen Meeren geeignete Bedingungen zur Vermehrung finden, zeigt, dass auch nördlichere Regionen von klimabedingten Gesundheitsrisiken betroffen sind.