Was die Klimakrise mit Kindern macht
Autor: Alicia Windzio, dpa
, Montag, 12. Oktober 2026
Hitze, Allergien und Zukunftssorgen belasten Kinder schon heute. Ein Kinderarzt, eine Psychologin und ein Lehrer sprechen über Folgen – von der Medizin bis zum Schulalltag in Schwäbisch Gmünd.
Auf dem Spielplatz brennt die Sonne. Für kleine Kinder kann Hitze schnell zur Belastung werden. Im Klassenzimmer fällt es an heißen Tagen schwerer, sich zu konzentrieren. Was für Erwachsene unangenehm ist, trifft Kinder oft noch stärker. Dabei ist Hitze nur eine der Folgen des Klimawandels, die ihre Gesundheit und ihr Aufwachsen verändern.
Kleine Körper, größere Risiken
«Kinder sind anfälliger für klimatische Veränderungen, weil sie sich in der Entwicklung befinden», sagt Dirk Holzinger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Essen. Säuglinge und Kleinkinder nähmen Wärme besonders leicht auf. Bezogen auf ihr Gewicht brauchten Kinder zudem mehr Wasser und Nahrung, so könnten sie auch entsprechend mehr Schadstoffe erhalten.
Das von Holzinger herausgegebene Fachbuch «Kindergesundheit und Klimawandel» fasst die Forschung dazu zusammen. Kinder unter fünf Jahren sind demnach besonders verletzlich: Wärmeregulation und Immunabwehr reifen noch. Hitze kann Flüssigkeitsmangel begünstigen. Schon in der Schwangerschaft stehen demzufolge Hitze und Luftschadstoffe mit Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht in Zusammenhang. «Heute geborene Kinder werden - dafür gibt es auch gute Daten - deutlich mehr gesundheitliche Folgen der Klimakrise erleben», sagt Holzinger.
«In Europa ist die UV-Belastung gestiegen – es gibt mehr Sonnenstunden. Das bedeutet, dass heute geborene Kinder mit einem höheren Hautkrebsrisiko aufwachsen.» Die Pollensaison habe sich durch den Klimawandel verlängert, was mehr Kinder mit Asthma belaste, ergänzt Holzinger. Wärmere Bedingungen fördern auch die Verbreitung von Zecken und Mücken - und damit bestimmte Infektionsrisiken.
Holzinger hebt die Ungerechtigkeit hervor: «Heute geborene Kinder leiden unter den Folgen des Klimawandels, die sie selbst nicht verursacht haben.»
Sorgen ernst nehmen, Kinder nicht überfordern
Die Klimakrise treffe viele Kinder in einer belasteten Lebensphase, sagt die Psychologin und Buchautorin Lea Dohm. «Der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen hat nach der Pandemie nie wieder das Niveau erreicht, das er vor der Pandemie hatte.» Zu dieser Belastung kämen nun Zukunftssorgen angesichts weiterer Krisen hinzu. Gerade jüngere Kinder seien dabei stark auf ihr Elternhaus und ihre Bezugspersonen angewiesen.
Dohm verweist auf eine weitere Ebene: Hitze beeinflusse auch Verhalten und Lernen. «Hitzeschutz ist auch in Grundschulen bereits ein großes und wirklich relevantes Thema», sagt sie. Reizbarkeit und Konflikte nähmen zu, die Konzentration nehme ab. Und sie schaut in die Zukunft: «Vergleicht man diesen Sommer mit dem, was die Kinder in den kommenden Jahrzehnten erwartet, war er vermutlich noch vergleichsweise kühl.»