Um mit Stress, Zukunftssorgen oder Ohnmachtsgefühlen umzugehen, könnten individuelle Strategien wie Entspannung oder Sport helfen, sagt Dohm. Sie schützten Kinder aber nicht vor Hitze und Extremwetter. «Wenn wir immer nur versuchen, uns weiter an den Klimawandel anzupassen und den dadurch entstehenden Stress wegzuatmen, wird die Krise weiter eskalieren.» Kinder müssten vor den Folgen geschützt werden – und Erwachsene daran arbeiten, dass sich die Krise nicht weiter verschärft.
Dabei seien auch aktive Lösungsansätze wichtig: «Was wir aus der Forschung sehr sicher wissen, ist, dass sich Krisenängste besser bewältigen lassen, wenn Menschen Handlungsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur Partizipation haben», sagt Dohm. Wie das aussehen kann, zeigt eine Schule.
Ein Schulhof als Reallabor
An der Rauchbeinschule in Schwäbisch Gmünd arbeiten Kinder im Schulgarten und versorgen Tiere auf einem Schulbauernhof. Fachoberlehrer Daniel Pieri verbindet diese Erfahrungen mit dem Sachunterricht. «Wir sehen das Ganze immer als Reallabor und den Schulhof als dritten Pädagogen», sagt er.
Die Kinder übernehmen regelmäßig Verantwortung auf dem Schulbauernhof: Klasse für Klasse versorgen sie morgens die Tiere, füttern und pflegen sie gemeinsam. Im Schulgarten bauen die Drittklässler ab dem Frühjahr Gemüse an und begleiten das Projekt über die Sommerferien hinweg bis in den Herbst. Ihre Erfahrungen vom Acker fließen anschließend direkt in den Sachunterricht ein.
Die Klimakrise als abstraktes Konzept sei für Grundschulkinder im Alltag meist noch gar nicht greifbar. Was sie aber unmittelbar spüren, seien Hunger, Durst, Müdigkeit - und extreme Hitze, sagt Pieri. Auf den Asphaltflächen des Schulhofs könne manchmal dann kaum gespielt werden, auch die Leistungsfähigkeit und Konzentration litten. Deshalb soll der Schulhof naturnah umgestaltet werden. Kinder, Eltern, Kollegium und Betreuungskräfte seien in die Planung einbezogen worden. Das Projekt verbindet Beteiligung mit einem handfesten Ziel: mehr Schutz vor Hitze.
Wer sich Schutz leisten kann
Nicht alle Kinder wachsen unter denselben Bedingungen auf. «Wie so oft im Leben sind diejenigen, die finanziell schlechter gestellt sind, besonders betroffen», sagt Dohm. Familien mit wenig Geld leben eher in heißen Wohnungen und Vierteln mit wenig Grün. Auch Schulen haben unterschiedlich viel Geld für Schatten.
Das Positionspapier «Kindeswohl in der Klimakrise - achten, schützen, gewährleisten», an dem Holzinger mitgearbeitet hat, fordert unter anderem hitzeangepasste Kitas und Schulen, sichere Schulwege und mehr Grün. Belastete Stadtteile müssten stärker gefördert werden, sagt der Kinderarzt.
«Wenn wir über Investitionen sprechen, müssen wir deshalb in Kitas, Schulen und Stadtteile investieren und Kindern eine klimagerechte Umwelt, Lernumgebung und Entwicklung ermöglichen», sagt Holzinger. Gesunde, kreative Menschen seien Deutschlands wichtigste Ressource.