Nach Jahren der Trockenheit kämpfen viele Bäume in Deutschland mit Hitze und Dürre. Was das für Wälder und Städte bedeutet – und wie es weitergehen könnte.
Ein Sommer der Superlative: Mehrere Bundesländer verzeichneten im Juli Hitzerekorde. Mehrere große deutsche Flüsse – allen voran Rhein, Elbe und Donau – verbuchten extreme Niedrigwasserstände. Nachdem eine Hitzewelle die nächste ablöst und langanhaltender Landregen weiterhin nicht in Sicht ist, stellt sich die Frage: Was macht das mit unseren Bäumen? Eine Zwischenbilanz des Sommers 2026.
Wie ist die Ausgangslage?
Deutschlands Bäume leiden schon seit Jahren massiv unter Trockenheit und Hitze. Die Schäden begannen spätestens mit dem Dürrejahr 2018. Laut Waldzustandsbericht für 2025 kämpfen die deutschen Wälder seitdem weiter mit den gravierenden Folgen. Eichen, Buchen, Kiefern und Fichten und andere Bäume stehen also nicht erst jetzt unter hartnäckigem Klimastress. Unter den häufigsten Arten sind bereits vier von fünf Bäumen krank.
Welche Auswirkungen hat das auf Ökosysteme?
Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben herausgefunden, dass seit 2018 in ganz Europa ein beispielloser Biomasseverlust, also der organischen Masse an Bäumen und Pflanzen, zu beklagen sei. Das bedeute auch einen hohen Verlust des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs.
Für die Ökosysteme ist das eine besorgniserregende Entwicklung: Bäume binden nicht nur das Treibhausgas CO2. Sie produzieren auch Sauerstoff, speichern Wasser, schützen Böden und bieten Lebensraum für unzählige Arten.
Dieser empfindliche Kreislauf des Lebens ist seit Jahren aus der Balance. «In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Holzvorrat der EU, verlieren gestörte Wälder jährlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar», heißt es in einer TUM-Mitteilung zu einer jüngst veröffentlichten Studie im Fachjournal «Nature Geoscience». «Während zunehmende Dürren Bäume schwächen, verbessern sie die Lebensbedingungen für Borkenkäfer.»
Welche Folgen haben die Hitzewellen dieses Sommers?
Die im langjährigen Vergleich deutlich zu hohen Temperaturen und geringen Niederschläge haben vielerorts zum Austrocknen der oberen Bodenschicht geführt. Beispiel Nordrhein-Westfalen: «94 Prozent der Landfläche von NRW sind Ende Juli von ungewöhnlicher Trockenheit und Dürre betroffen - Tendenz steigend», berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.
Besonders angegriffen seien diesjährige Frühjahrsanpflanzungen von Laub- und Nadelgehölzen. «Es ist damit zu rechnen, dass auf den Wiederbewaldungsflächen, wo Sturm, Dürre und Borkenkäfer-Massenvermehrung gravierende Schäden hinterlassen haben, junge Pflanzen absterben.» Ältere Bäume könnten aufgrund ihrer Verwurzelung in tieferen Bodenschichten zumeist noch ausreichend Wasserreserven finden.