Vorbild Coldplay: Mega-Events können Klimaschutz fördern
Autor: dpa
, Freitag, 17. Juli 2026
Forscher sehen in den Zuschauerreisen den Hauptfaktor für CO₂-Emissionen bei Mega-Events. Sie liefern Klimaschutzideen für die Reisen und die Events - unter anderem inspiriert von der Band Coldplay.
Bei Mega-Events wie Weltmeisterschaften und Konzerttourneen stammt der Großteil der Kohlendioxid-Emissionen von der An- und Abreise der Zuschauer. Darauf verweisen vier Forscher der Universität Cambridge in England und nennen als ein Beispiel die WM in den USA, Mexiko und Kanada. Positiv heben sie die britische Pop-Rock-Band Coldplay hervor, die den CO2-Ausstoß von Konzerten und Fanreisen in etwa halbiert habe.
Die FIFA und Popstars sollten Rabatte für Fans anbieten, die umweltfreundlich an- und abreisen, schlägt das Forschungsteam im Journal «Communications Sustainability» vor. Zudem könne Klimaschutz über Ticketpreise finanziert werden.
«Wirksame Klimastrategien für Mega-Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft gehen weit über die Reduzierung der betrieblichen Emissionen an den Veranstaltungsorten hinaus, da dies nur einen Bruchteil des gesamten CO₂-Fußabdrucks ausmacht», betont Hauptautor Shaun Larcom. «Wie wir am Beispiel von Coldplay sehen, entsteht echte Nachhaltigkeit dann, wenn die Veranstalter das gesamte System des Fanverhaltens beeinflussen, von Transport und Routenplanung bis hin zu Entscheidungen über den Umfang und die Gestaltung einer Veranstaltung.»
Coldplay belohnt Fans für klimafreundliches Anreisen
Für die analysierte Tour durch Europa mit 32 Konzerten im Jahr 2024 nutzte Coldplay etwa Solaranlagen und aufladbare Autobatterien, emissionsärmere Kraftstoffe und Anreize für Fans zu nachhaltigem Reisen.
Fans konnten per App die Auswirkungen ihrer Reisen für verschiedene Verkehrsmittel berechnen. Diese belohnte einen CO₂-armen Transport mit Rabatten für Fanartikel im Online-Shop von Coldplay. «Auf dieser kleinen Ebene war ein gewisses Maß an Vertrauen erforderlich», sagte einer der Erstautoren, Jascha Servi, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach Abschluss der Tour habe Coldplay die Emissionsreduktion pro Show jedoch von einer Gruppe des Massachusetts Institute of Technology verifizieren lassen. «Diese belegte, dass die Fans insgesamt ihren selbst angegebenen Reiseweg tatsächlich eingehalten haben.» Als nächsten Schritt könne man überlegen, von den Fans Quittungen etwa von Zugtickets zu verlangen.
Die Klima-Maßnahmen reduzierten die direkten Treibhausgas-Emissionen der Band und der Konzerte um 59 Prozent, schreibt das Studienteam mit Verweis auf Angaben von Coldplay. Sie machen jedoch nur einen Bruchteil der Gesamtmenge aus. 97 Prozent der Gesamtemissionen durch die Tour 2024 stammten aus den Reisen der Fans. Diese seien um rund 48 Prozent gesunken.
Bei der gesamten Tour wurden laut Studie Treibhausgase ausgestoßen, die der Wirkung von 58,5 Kilotonnen CO2 entsprechen (CO₂-Äquivalente). Das ist etwa so viel wie der Ausstoß von 5.700 Bundesbürgern pro Jahr.