Von Gagarin bis Artemis - Russland fällt in Raumfahrt zurück
Autor: Ulf Mauder und Johannes Neudecker, dpa
, Sonntag, 12. April 2026
Vor 65 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch ins All. Von solchen Erfolgen kann Moskau heute nur träumen. Das zeigt auch der Wettlauf zum Mond, wo USA und China führen. Kann Russland aufholen?
In Russland schürt die Mondumrundung der Nasa-Astronauten der «Artemis 2»-Crew Sehnsüchte nach den Erfolgen der Vergangenheit. Die stolze Raumfahrtnation feiert gerade den ersten Flug eines Menschen ins Weltall vor 65 Jahren. Geehrt wird der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, der mit dem Raumschiff «Wostok» die Sensation am 12. April 1961 vollbrachte und 108 Minuten im All war.
Der Rekord von nun gleich vier Raumfahrern, die so weit ins All vorgedrungen sind wie nie ein Mensch zuvor, kommt da passend zum Internationalen Tag der bemannten Raumfahrt am 12. April, der auf Gagarins Flug zurückgeht. Er wird auch auf der Internationalen Raumstation ISS begangen, wo Russen und Amerikaner zusammenleben. Zwar ist die ISS inzwischen mehr als 27 Jahre in Betrieb, ein Ende ist nicht in Sicht; allerdings hat Russland den Bau einer eigenen Raumstation für die 2030er Jahre angekündigt.
Der «Artemis 2»-Erfolg der US-Raumfahrtbehörde Nasa rückt vor allem eins in den Vordergrund: den Wettlauf zum Mond, bei dem die USA und China Russland längst auf der Strecke lassen. Während die USA schon 2028 auf dem Mond landen wollten, sei Russland nicht einmal in der Lage, seine Pläne für die Mondsonden zu erfüllen, sagt der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin. Er fürchtet, dass sich der Abstand eher noch vergrößert.
Russlands Raumfahrt kämpft mit vielen Problemen
Tatsächlich verschiebt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos immer wieder Expeditionen, nachdem ihre erste unbemannte Mondmission seit 1976 kläglich gescheitert war. Die Sonde «Luna-25» zerschellte im August 2023 an der Mondoberfläche – eine teure Schlappe, nachdem sogar Indien zuvor eine Sonde dort mit Erfolg hingebracht hatte.
Klar ist, dass Russland viel Geld in seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt, das an anderer Stelle fehlt. Zusätzlich spürt das Land den Druck westlicher Sanktionen. Aber zu Sowjetzeiten im Kalten Krieg hielt das Moskau nicht davon ab, führend zu sein. Schon 1957 löste das Land den «Sputnik»-Schock aus, als es überhaupt erstmals ins Weltall vordrang. Gut zehn Jahre später – 1969 – gelang den USA eine bemannte Mondlandung.
Experte Trischkin hält Russlands Probleme heute für tiefgreifend. «Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht», schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie.
Moskau hält an Mondprogramm fest
Zwar hält Russland an seinen Mondplänen fest. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar davon, dass Kosmonauten von dort aus zum Mars fliegen. Trischkin allerdings meint, das Land habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Lösungen für eine künftige Mondstation beisteuern – etwa bei der Nutzung von Kernenergie für den Betrieb einer solchen Anlage.