Überlebenskünstler mit Risikofaktor: Zecken auf Vormarsch
Autor: Irena Güttel, dpa
, Montag, 20. April 2026
Sie können lange Zeit ohne Nahrung auskommen und stachen möglicherweise schon Dinosaurier. Was es sonst noch über die kleinen Spinnentiere zu wissen gibt.
Zecken sind nicht nur lästige Blutsauger, ihr Stich kann uns auch krank machen. Jetzt im Frühjahr sind sie besonders aktiv. Beim Picknick im Park, bei der Gartenarbeit oder beim Waldspaziergang kann man sich deshalb schnell eine Zecke einfangen. Wie man sich davor schützen und was man sonst noch über die kleinen Spinnentiere wissen sollte, erläutern Fachleute.
Gibt es eine Zecken-Hauptsaison?
Zecken sind wegen der Klimaerwärmung inzwischen nahezu ganzjährig aktiv. «Man muss den Großteil des Jahres über Obacht geben. Solange kein Schnee liegt, muss man eigentlich mit Zecken rechnen», sagt der Zecken-Experte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Wenn die Temperaturen nachts nicht mehr unter null Grad und tagsüber über 5 bis 7 Grad liegen, seien Zecken aktiv.
Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist nach Angaben der Parasitologin Ute Mackenstedt von der an der Universität Hohenheim in Stuttgart der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Zeckenart sei auch diejenige, die hauptsächlich Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose auf den Menschen übertrage. «Die zweithäufigste Zeckenart ist die Auwaldzecke, die manchmal mit den FSME-Viren infiziert ist, aber den Menschen viel seltener befällt.»
Dobler und sein Team sind regelmäßig draußen unterwegs, um Zecken einzusammeln und zu untersuchen. In diesem Jahr konnten diese demnach bereits ab Mitte März zahlreiche Holzbock-Exemplare in Bayern finden. In wärmeren Jahren sei das teilweise sogar schon im Februar der Fall, erläutert Dobler.
«Die Hauptsaison beginnt eigentlich jetzt, wo es wärmer wird und die Luftfeuchtigkeit noch relativ hoch ist», betont Dobler. Im Hochsommer sei der Holzbock dagegen deutlich weniger aktiv. «Die Untersuchungen seit vielen Jahren zeigen, dass wir im Juli und August 5 Prozent, maximal 10 Prozent der Aktivität haben, die wir im Mai und Juni sehen.»
Stechen nur die erwachsenen Zecken?
Zecken brauchen laut Dobler in allen Entwicklungsstadien – also als Larven, Nymphen und erwachsene Tiere – Blut, um zu überleben. «Grundsätzlich können auch die Larven Menschen stechen, das ist aber eher selten», sagt Dobler. Normalerweise übertragen diese ihm zufolge keine Krankheitserreger. «Die überwiegende Zahl der Infektionen wird durch Nymphen und adulte Tiere verursacht.»
Von den erwachsenen Zecken wiederum stechen nur die Weibchen, die das Blut für die Entwicklung der Eier brauchen, sagt Dobler. Diese seien ungefähr einen halben Zentimeter groß und an ihrer rotbräunlichen Färbung zu erkennen. Die Männchen seien dagegen kleiner und komplett schwarz. Die Nymphen seien mit unter einem Millimeter noch einmal deutlich kleiner.