Studie deckt starke Grundwasser-Belastung am Oberrhein auf
Autor: dpa
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Pestizide, Arzneimittelreste und PFAS belasten das Grundwasser am Oberrhein. Was die Studie empfiehlt, um die Wasserqualität für Millionen Menschen zu sichern.
Das Grundwasser im Einzugsgebiets des Oberrheins ist nach einer Studie durch Pestizide, Arzneimittelrückstände und sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) erheblich belastet. Das hat das Oberrhein-Projekt «ERMES-ii Rhein» ergeben, wofür das Grundwasser an 1.497 Messstellen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, dem Elsass bis zur Schweizer Grenze untersucht wurde.
Praktisch überall wurden im Grundwasser belastende Stoffe festgestellt und an 59 Prozent der Messstellen wurde mindestens ein Trinkwassergrenzwert überschritten, hieß es bei der Vorstellung der Studie in Straßburg. Die Schadstoffe stammen demnach aus der Industrie, der Landwirtschaft, aus Privathaushalten und dem Gesundheitswesen. Betont wurde, dass sich die Ergebnisse auf Grundwasser und nicht auf Trinkwasser beziehen. Trinkwasser werde zunächst aufbereitet und nach strengen Normen kontrolliert.
Studie soll gute Wasserqualität für die Zukunft ermöglichen
Ziel der vor drei Jahren gestarteten Untersuchung ist es, die Gründe für die Verschlechterung der Grundwasserqualität zu untersuchen und zu analysieren, wie belastende Stoffe im Wasser landen. Dies soll es ermöglichen, eine gute Wasserqualität für künftige Generationen zu gewährleisten. Bereits seit 1991 gibt es eine regelmäßige grenzüberschreitende Bestandsaufnahme der Grundwasserqualität am Oberrhein.
Der Oberrheingraben ist einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher Westeuropas. Er erstreckt sich von Basel bis Mainz über eine Länge von 300 Kilometern und versorgt rund fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser. Zugleich gehört die Region zu einem durch Industrie, Landwirtschaft und Ballungsgebiete am intensivsten genutzten Regionen Westeuropas.
Verbote bestimmter Pestizide zeigen Wirkung
Nach der Studie belasten Pflanzenschutzmittel das Grundwasser am Oberrhein weiterhin nachhaltig und in hoher Konzentration. Seit 2016 sei aber eine leichte Verbesserung zu beobachten. Regional sei die Belastung unterschiedlich, da bestimmte Pflanzenschutzmittel in den deutschen Bundesländern bereits früher verboten wurden als im Elsass und den Basler Kantonen. Dort träten weiterhin häufig Grenzwertüberschreitungen auf, während bestimmte Pestizide in Deutschland bereits fast nicht mehr nachweisbar seien.
Die von der Wirtschaft für viele industriellen Anwendungen gefragten und in der Umwelt schwer abbaubaren PFAS-Chemikalien wurden im Rahmen der Studie an 69 Prozent der Messstellen nachgewiesen. Schwellenwerte wurden an neun Prozent der Messstellen überschritten, vor allem in den Räumen Basel/Saint-Louis, Thann/Cernay, Rastatt/Baden-Baden sowie Mainz und Frankfurt. Dabei handele es sich um bekannte Belastungszentren, wie Industriegebiete oder Standorte, an denen Feuerlöschschäume eingesetzt oder Klärschlämme ausgebracht wurden.
Medikamentenrückstände machen Kläranlagen zu schaffen
Wie die Untersuchung ergab, werden über Kläranlagen Schadstoffe in die Gewässer eingeleitet, die sich danach auch im Grundwasser wiederfinden. Dazu gehörten vor allem Stoffe aus dem häuslichen Gebrauch wie Arzneimittel, Lebensmittelzusatzstoffe, Reinigungsmittel, Weichmacher, bestimmte Pflanzenschutzmittel und PFAS. Besonders Medikamentenrückstände ließen sich in den meisten Kläranlagen nicht vollständig herausfiltern und gelangten damit praktisch ungehindert in den Wasserkreislauf.