Sechs Monate Stillen nun auch in Deutschland empfohlen
Autor: dpa
, Freitag, 20. Februar 2026
Erstmals gibt es eine offizielle deutsche Leitlinie, wie lange Frauen optimalerweise stillen sollen. Mehr Druck soll es dadurch jedoch nicht geben.
Sechs Monate ausschließlich stillen – diese Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ernährung von Babys gilt nun auch in Deutschland. «Reifgeborene Kinder sollten bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden», heißt es in der am Freitag vorgestellten neuen Leitlinie. Die bisherige Handlungsempfehlung für Deutschland lautete, in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Als reifgeboren gelten alle Babys, die nicht als Frühgeburt zur Welt kommen.
«Die Angleichung an die WHO-Empfehlung von sechs Monaten ausschließlichen Stillens erfolgt im Sinne einer international konsistenten Praxis und unter Berücksichtigung der neuen Datenlage», heißt es zu der Anpassung. Unter ausschließlichem Stillen wird die Ernährung ohne die zusätzliche Gabe von Flüssigkeiten, Flaschennahrung oder Beikost verstanden, beim überwiegenden Stillen werden zusätzlich Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee gegeben.
Die WHO empfiehlt, auch nach der Einführung von Beikost bis zu zwei Jahre oder darüber hinaus zu stillen. In der neuen deutschen Leitlinie heißt es dazu: «Die Gesamtstilldauer für reifgeborene Kinder soll mindestens zwölf Monate betragen.» Das Gremium habe sich unter anderem wegen der günstigeren Studienlage auf die zwölf Monate fokussiert, erklärte Regina Ensenauer, Vorsitzende der Nationalen Stillkommission und Koordinierende der Leitlinie. Die Frage, welche Effekte 24 Monate Stilldauer haben, sei für die Leitlinie nicht gestellt worden.
Die Empfehlungen wurden aus einer großen Zahl von Beobachtungsstudien zu verschiedenen Gesundheitseffekten bei Kind und Mutter abgeleitet.
Welche positiven Effekte gibt es laut den Studien?
Beobachtungsstudien belegen einen statistischen, aber keinen ursächlichen Zusammenhang. Entsprechend vorsichtig werden die anzunehmenden Positiveffekte in der Leitlinie formuliert.
Demnach gibt es Anhaltspunkte, dass ausschließliches Stillen für sechs Monate und eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten beim Baby das Risiko für Mittelohr-Entzündungen, Darminfektionen und Asthma vermindert. Hinweise auf einen Schutzeffekt des Stillens gebe es auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dazu zählen Krankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Als uneinheitlich wird die Studienlage bei Übergewicht und Adipositas bewertet. Bei Effekten wie diesem gebe es andere Faktoren, die die Ausprägung mitbestimmten, erklärte Ensenauer – hier zum Beispiel die Ernährung im weiteren Kindheitsverlauf.
Der Leitlinie zufolge gibt es Anhaltspunkte auch dafür, dass eine kürzere Gesamtstilldauer und Nicht-Stillen das Risiko für Fehlstellungen der Zähne erhöhen können. Beim Saugen an der Brust werden demnach Muskeln im Mund-, Gesichts- und Rachenbereich stärker gefordert als beim Saugen an der Flasche, was die Entstehung von Zahn- und Kieferfehlstellungen beeinflussen kann.