Rekordwarme Pazifikregion: El Niño könnte Rekorde brechen
Autor: dpa
, Donnerstag, 08. Oktober 2026
Baden im Meer ist in diesem Sommer vielerorts keine Abkühlung gewesen. Auch jetzt sind die Ozeane an vielen Stellen noch deutlich zu warm – teils sogar so warm wie nie zuvor.
Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Laut Daten der Plattform «Climate Reanalyzer» der University of Maine hat die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region erstmals die 30-Grad-Marke geknackt (Stand 5. Oktober). Damit liegt sie 3,39 Grad über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020. Die Temperaturkurve entwickelte sich in den vergangenen Wochen fast kontinuierlich nach oben und liegt deutlich über allen Vorjahreskurven.
«Niño 3.4» ist eine geografische Region im zentralen und östlichen Pazifik und gleichzeitig ein wichtiger Klimaindex, um das El-Niño-Phänomen zu messen.
Der Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven erklärte, eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und ziemlich sicher auch weit davor noch nie gegeben. Man könne «mittlerweile klar von einem außergewöhnlichen "Super"-Ereignis sprechen». Die starken El Niños von 1997 und 2015 seien dort zu dieser Jahreszeit mehr als ein ganzes Grad kühler gewesen.
Im Gesamtdurchschnitt der Ozeane lagen die Temperaturen an der Oberfläche laut «Climate Reanalyzer» zuletzt bei 21,08 Grad – ebenfalls deutlich über allen Werten der Vorjahre. Im Verlauf dieses Jahres lagen sie zeitweise aber bereits noch höher. Diese Werte beziehen sich auf die Regionen zwischen dem 60. südlichen und dem 60. nördlichen Breitengrad, die Polarregionen werden also ausgeklammert.
Womöglich stärkster El Niño seit 1950
Die Weltwetterorganisation (WMO) geht in einer neuen Prognose davon aus, dass die Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik zwischen Oktober und Dezember auf weitere neue Höchststände steigen werden. Gleichzeitig werde sich der diesmal besonders extrem ausfallende El Niño weiter verstärken, bis er voraussichtlich im Dezember seinen Höhepunkt erreichen werde. «El Niño ist angekommen und gewinnt rasch an Stärke», erklärte WMO-Chefin Celeste Saulo.
Anhalten wird er voraussichtlich noch darüber hinaus: Die Prognosen der WMO deuteten mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass der El Niño bis Februar 2027 anhält – «womit er möglicherweise zu den stärksten seit mindestens 1950 zählen würde», so Saulo. 1950 begannen nach WMO-Angaben die Aufzeichnungen.
Laut WMO dürften überdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der Welt die Folge sein, genauso wie veränderte Niederschläge, also je nach Region heftige Dürren oder genau das Gegenteil: viel zu viel Regen.