Medizin-Nobelpreis an zwei Deutsche und einen US-Forscher
Autor: Walter Willems, dpa
, Montag, 05. Oktober 2026
Gleich zwei Deutsche erhalten den Medizin-Nobelpreis. Für Forschung zur gezielten Aktivierung von Zellen wird zudem ein US-Amerikaner geehrt. Die Erkenntnisse werden schon therapeutisch erprobt.
Zwei deutsche und ein US-amerikanischer Forscher erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Für ihre Entdeckungen auf dem Feld der Optogenetik werden Peter Hegemann (71) von der Humboldt-Universität Berlin, Georg Nagel (73) von der Uni Würzburg sowie der US-Forscher Karl Deisseroth (54) ausgezeichnet, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. «Die Optogenetik bietet Möglichkeiten, das Gehirn auf eine Weise zu kartieren, von der wir früher nur träumen konnten», erläuterte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Svenningsson.
Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet rund einer Million Euro. Er habe alle drei Preisträger kurz vor der Bekanntgabe telefonisch erreicht, sagte der Sekretär der Nobelversammlung des Karolinska-Instituts, Thomas Perlmann. Deisseroth, der an der kalifornischen Stanford University arbeitet, sei sehr müde gewesen, dann aber schnell aufgewacht. Alle drei seien sehr überrascht gewesen und hätten von einer großen Ehre gesprochen. Die beiden deutschen Preisträger hielten sich zunächst aus der Öffentlichkeit fern.
Deisseroth dagegen erzählt der Deutschen Presse-Agentur über den Moment des Anrufs, den er kurz nach Mitternacht Ortszeit erhielt: «Ich wollte gerade schlafen gehen, ich war bettfertig. Ich wusste, dass ich früh aufstehen musste, um meinen Kindern Pausenbrote zu machen und sie morgens zur Schule zu bringen.»
Gratulationen aus dem Schloss Bellevue
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte den Wissenschaftlern zu der Auszeichnung. Die Nachricht von der Verleihung des Preises an Hegemann und Nagel habe er mit «großer Freude vernommen», sagte Steinmeier laut einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes. «Ihre Forschungen helfen, ein wichtiges Wissen der Menschheit zu vermehren. Sie zeigen auch, dass Wissenschaft und Forschung in Deutschland eine starke Basis haben. Dafür gebührt Ihnen großer Dank.»
Wie Nervenzellen Gefühle prägen
Die Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen - meist Neuronen - mit Hilfe von Licht präzise an- und abschalten lassen. Damit lasse sich zeigen, wie Nervenzellen im lebenden Gehirn Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen prägen, hieß es zur Begründung. Die Preisträger hätten den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften gelegt.
Teils stehen die so gewonnen Erkenntnisse schon an der Schwelle zur therapeutischen Nutzung: Zur Behandlung der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa laufen klinische Studien, allerdings noch im frühen Stadium.
Mit einem Protein lassen sich Gehirnzellen aktivieren
Hegemann - damals noch am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried - fiel Anfang der 1990er Jahre auf, wie schnell die einzellige Alge Chlamydomonas auf Licht reagiert. Er und Nagel, der damals am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt forschte, entdeckten Anfang der 2000er Jahre in der Alge das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das die Zelle empfindlich für Licht macht. Unter Einfluss von blauem Licht öffnet sich ein sogenannter Ionenkanal, der für elektrische Impulse sorgt.