Milch und Käse treiben CO2-Bilanz der Ernährung nach oben
Autor: dpa
, Dienstag, 17. März 2026
Klimaschutz mit Messer und Gabel: Was wir essen, hat immensen Einfluss auf unsere CO2-Bilanz. Experten haben überraschende Daten zusammengetragen – und halten ein ambitioniertes Ziel für möglich.
Rund ein Viertel aller mit Konsum in Verbindung stehenden deutschen Treibhausgas-Emissionen geht einer neuen Analyse zufolge auf die Ernährung zurück. Der Konsum von Lebensmitteln in Deutschland verursache pro Jahr etwa 235 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entlang der Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Produktion bis zu den privaten Haushalten, heißt es im Bericht der Denkfabrik Agora Agrar. «Etwa 70 Prozent davon entstehen durch den Konsum tierischer Produkte.»
Treibhausgase wirken sich unterschiedlich stark auf das Klima aus und werden der besseren Vergleichbarkeit wegen in CO2-Äquivalente umgerechnet. Konsumbezogene Emissionen sind solche, die dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen in einem Land zugerechnet werden – unabhängig davon, wo sie global anfallen.
Insgesamt kauft eine durchschnittliche Person in Deutschland dem Bericht zufolge etwa 642 Kilogramm Nahrungsmittel pro Jahr ein, also etwa 1,76 Kilogramm pro Tag. Nicht alles wird verzehrt, vieles wird weggeworfen. Allein etwa 120 Kilogramm entfallen den Angaben zufolge auf Milchprodukte wie Frischmilch, Joghurt und Käse.
Von der benötigten landwirtschaftlichen Fläche liegen rund 55 Prozent in Deutschland und 45 Prozent in anderen Ländern. Produkte wie Milch, Fleisch oder Brotgetreide stammen überwiegend aus Deutschland. Lebensmittel, die in Dauerkulturen erzeugt werden, wie Oliven, Zitronen oder Nüsse, kommen zu einem großen Teil aus dem Ausland.
Emissionen in der Landwirtschaft sinken vergleichsweise langsam
In den vergangenen Jahren seien die Emissionen in den Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller gesunken als in der Landwirtschaft, heißt es von Agora Agrar. Setze sich dieser Trend fort, werde der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den größten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen, die für das Erreichen der Klimaneutralität kompensiert werden müssen.
Die größten Potenziale einer Verringerung der Klimawirksamkeit liegen der Denkfabrik zufolge in der Nutzung erneuerbarer Energien, einer stärker pflanzlich basierten Ernährung und der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore. Eine stärker pflanzlich geprägte Ernährung fördere zudem Gesundheit, Ernährungssicherheit und Biodiversität.
Die für die Berechnung berücksichtigte Wertschöpfungskette «umfasst die Herstellung landwirtschaftlicher Betriebsmittel wie Stickstoffdünger, die landwirtschaftliche Produktion, die Weiterverarbeitung und den Handel sowie den Konsum der Lebensmittel». Zudem seien Treibhausgas-Emissionen aus Landnutzungsänderungen und aus landwirtschaftlich genutzten Mooren einbezogen worden.