Mehr Menschen kommen wegen Cannabis ins Krankenhaus
Autor: dpa
, Donnerstag, 23. Juli 2026
Die Teil-Legalisierung hat Folgen: Seit der Freigabe steigt die Zahl der Vergiftungen und Psychosen durch Cannabis. Forscher meinen: Der illegale Straßenhandel ist daran wohl nicht schuld.
Nachdem Cannabis vor zwei Jahren für Erwachsene freigeben wurde, kamen mehr Menschen wegen der Droge in deutsche Krankenhäuser. Infolge der Gesetzesänderung habe es sowohl mehr akute Vergiftungen durch Cannabis gegeben als auch mehr dadurch ausgelöste Psychosen, schreiben Wissenschaftler aus Hamburg und Leipzig im Fachjournal «Deutsches Ärzteblatt International». Der Anstieg sei jedoch «moderat» und liege im einstelligen Prozentbereich.
Mehr Konsumenten oder mehr besonders potentes Cannabis?
Die Forscher diskutieren zwei mögliche Gründe. «Erstens ist es denkbar, dass sich infolge der Legalisierung mehr Menschen dazu entschlossen haben Cannabis zu probieren.» Weil es weniger Strafen gibt, könnte die Hemmschwelle gesunken sein. Allerdings gebe es genau dafür kaum Belege in der Wissenschaft, und auch Umfragen zeigten das nicht.
Den zweiten möglichen Grund halten die Wissenschaftler für wahrscheinlicher: Dass mehr Konsumentinnen und Konsumenten auf hochpotentes medizinisches Cannabis umgestiegen sind, das es in Online-Apotheken gibt. Dieses seit «auch für den nichtmedizinischen Gebrauch leicht erhältlich».
Die Konzentration von THC, also dem Wirkstoff der Hanfpflanze, der für ihre berauschende Wirkung verantwortlich ist, sei bei Cannabis auf Rezept viel höher: im Schnitt 24 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 15 Prozent bei Cannabis im Straßenhandel.
Einfach Kiffen auf Rezept
«Da der Konsum von Cannabis mit mehr als 10 Prozent oder 15 Prozent THC
mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden ist, kann der Umstieg auf Medizinalcannabis selbst für erfahrene Konsumierende sowie für Patientinnen und Patienten ein Risiko darstellen», heißt es in der Studie.
Seit 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland Cannabis nicht nur legal besitzen und anbauen. Sondern Cannabis wurde gleichzeitig auch aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen, wodurch es Ärztinnen und Ärzten deutlich leichter fällt, medizinisches Cannabis zu verschreiben.
Moderater Anstieg, aber: «Das ist relevant.»
Für die Untersuchung analysierten die Fachleute um Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Universitätsklinikum Leipzig Daten von mehr aus 70.000 Krankenhausaufnahmen. Im Jahr nach dem Inkrafttreten wurden demnach 1.395 mehr erwachsene Menschen wegen Cannabis eingewiesen. Das seien 7 Prozent mehr als in einem Szenario ohne Legalisierung, schreiben die Forscher. Bei Jugendlichen waren es demnach 91 zusätzliche Einweisungen innerhalb eines Jahres, das seien 3,9 Prozent mehr.